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Montag, 01 Februar 2021 17:40

2. Wer wir sind

www.FessenheimStop.org

WER WIR SIND UND WAS WIR WOLLEN

Das Aktionsbündnis Fessenheim stilllegen. JETZT! ist ein breites, überparteiliches Bündnis aus Einzelpersonen,
Aktiven aus der Umwelt-, Friedens- und Gewerkschaftsbewegung und Mitgliedern verschiedener Parteien aus
Frankreich, der Schweiz und Deutschland.
Es wird unterstützt von:

  • Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz AGUS Markgräflerland e.V.  www.agus-markgraeflerland.de
  • Alsace Nature, www.alsacenature.org
  • Bündnis 90/ Die Grünen, Ortvereinigung Müllheim-Neuenburg  www.gruene-muellheim-neuenburg.de
  • Comité pour la Sauvegarde de Fessenheim et de la Plaine du Rhin CSFR (Komitee zum Schutz Fessenheims und der Rheingegend)
  • Deutscher Gewerkschaftsbund DGB, Kreisverband Markgräflerland
  • Die Linke, Ortsverband Müllheim-Markgräflerland
  • Friedensrat Markgräflerland, www.koop-frieden.de
  • Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.- IPPNV, Regionalgruppe Südbaden, www.ippnw.de
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD, Ortsverein Müllheim, www.spd-müllheim.de
  • Naturschutzbund Deutschland e.V. NABU, Ortsverein Müllheim, www.nabu-muellheim.de
  • Bürgerinitiative Umweltschutz Staufen 


Wir haben uns die sofortige Stilllegung des ältesten Atomkraftwerkes Frankreichs zum Ziel gesetzt:
des Atomkraftwerkes Fessenheim, zwischen den Gemeinden Hartheim am Rhein und Grissheim etwa zwei Kilometer westlich
der deutsch-französischen Grenze am Canal d´Alsace gelegen.
Unser Hauptmotto dabei:

Kein ruhiges Dreyeckland, bis das AKW Fessenheim stillgelegt ist!

Von Bärbel Nückles

 

Mit dem bevorstehenden Rückbau des Akw Fessenheim benötigt der staatliche Stromerzeuger EDF demnächst eine Lösung für die größeren Mengen anfallenden Akw-Materials. Denn Fessenheim ist erst der Anfang.
Weitere Akw werden in den kommenden Jahren wohl keine Laufzeitverlängerung bekommen. Außerdem sieht die langfristige Energieplanung schrittweise die Abschaltung älterer Akw vor. Der Transport der kontaminierten Bauteile ins Ausland – in Schweden hat EDF vor wenigen Jahren eine Recycling-Anlage für ausgedientes Akw-Material gekauft – dürfte nur bedingt möglich sein. Daher die Pläne für die Schmelzanlage.

Auf dem Grundstück in Fessenheim ist noch Platz

Bleibt die Standortfrage. Denn nachdem zunächst noch Tricastin in Südfrankreich als Alternative genannt worden war, erscheint Fessenheim inzwischen der Favorit der EDF zu sein. Bei einer Sitzung zur nationalen Planung für den Umgang mit nuklearen Reststoffen stellten Vertreter von EDF im November 2020 das Projekt Technocentre vor. Die Veranstaltung fand als Videokonferenz statt.

Jean-Marie Brom, Atomphysiker und langjähriger Umweltaktivist aus dem Elsass, hat die Referate und Gespräche verfolgt. Auf Nachfrage stellte EDF dabei klar, dass in Frankreich nur eine solche Anlage geplant sei; diese beabsichtige man in Fessenheim einzurichten.

Marie-Hélène Bouhand-Mergey, Sprecherin von EDF in Fessenheim, bestätigt auf BZ-Anfrage: "Fessenheim ist der Standort, den EDF für das Technocentre vorschlägt." Als Gründe nennt sie an erster Stelle das neben den stillgelegten Reaktoren verfügbare Grundstück. Dort hatte EDF in den 1970er Jahren zwei weitere Reaktoren geplant, aufgrund der anhaltenden Proteste am Oberrhein jedoch von deren Bau abgesehen.

Für Fessenheim spricht die Nähe zum Rheinseitenkanal

Hinzu kommt, dass mit dem nördlich von Fessenheim am Rheinseitenkanal geplanten Ableger des Hafens von Colmar die Voraussetzungen für die Anlieferung von großen Ladungen wie Dampferzeugern geschaffen würden. Für Fessenheim spreche auch die überschaubare Entfernung von etwa 300 Kilometern zum französischen Zwischenlager für nukleare Reststoffe im Département Aube. Dorthin würde die Schlacke transportiert, in der sich Radioaktivität beim Schmelzvorgang sammelt.

Für Jean-Marie Brom sind vor allem zwei Punkte problematisch: Die bisherige Rechtslage verbietet die Weiterverarbeitung von Metall aus der Atomindustrie; dies wird nun durch die neuen Dekrete aufgehoben. Neben dem drohenden Anlieferverkehr, der zu einem guten Teil über den Kanal kommen dürfte, ist zudem nicht klar, welche Größe die Anlage haben wird und welchen Standards sie etwa beim Emissionsschutz folgt.

Skeptische Stimmen von deutscher Seite

Während viele elsässische Politiker die Pläne befürworten, weil das Technocentre 150 neue Jobs schaffen soll, ist man auf deutscher Seite alles andere als begeistert. Erstmals erfuhr die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bei einem deutsch-französischen Arbeitstreffen im September 2018 in der Präfektur in Colmar von dem Vorhaben der EDF. Sie hält den französischen Standort Tricastin wegen seiner Nähe zum Meer "von der Logistik her für sinnvoller und wirtschaftlicher".

Im RP habe man die Hoffnung, dass das Technocentre nicht in Fessenheim angesiedelt werde, sagte Schäfer gestern. Die Baden-Württembergische Landesregierung wie auch der Bund haben sich mehrfach kritisch zu den Plänen geäußert. So nannte der Stuttgarter Umweltminister Franz Untersteller auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Gabi Rolland (SPD) "die Ansiedlung des Technocentre kontraproduktiv für die wirtschaftliche Neuaufstellung der Region".

Das Akw Fessenheim ist abgeschaltet. Künftig will der Konzern EDF auf dem Gelände nukleare Reststoffe verarbeiten – zum Missfallen der Anti-Atom-Bewegung, die ein Protestfest plant.

Von Julius Steckmeister Mo, 07. September 2020 um 19:23 Uhr

 

Mit der Abschaltung des Atomkraftwerks in Fessenheim im Juni schien ein langer Kampf gegen den Betrieb der betagten Anlage ein glückliches Ende gefunden zu haben. Bereits seit geraumer Zeit werkeln Politiker dies- und jenseits des Rheins an einer Nachfolgelösung für die Region, im Gespräch ist ein grenzüberschreitender Gewerbepark. Im August allerdings verkündete der Akw-Betreiber Electricité de France (EDF) seine Pläne, auf dem Areal des Kraftwerks ein nukleares Reststoffverarbeitungszentrum, ein sogenanntes Technocentre, errichten zu wollen.
Rückblick: Atomkraftgegner warnen vor nuklearer Müllkippe in Fessenheim

Als eine erste gebündelte Reaktion von Atomkraftgegnern, Umweltverbänden sowie Vertretern aus Politik und Kirche wurde die sogenannte Fessenheimer Erklärung veröffentlicht. Sie spricht sich klar gegen das geplante Technocentre und ebenso klar für die Schaffung von "sauberen Arbeitsplätzen" in der Region aus.

Überraschend kommen die Pläne von EDF für die Anti-Akw-Bewegung nicht

Ganz überraschend, sagen einhellig Gustav Rosa und Lucien Jenny, zwei der Urgesteine und Leitfiguren im Kampf für die Abschaltung des Akw in Fessenheim, sei das Festhalten der EDF an den Technocentre-Plänen nicht. Ein – staatlicher – Großkonzern wie die EDF lasse sich die Fäden ungern aus der Hand nehmen. Zudem sitze die Kränkung beim Energieversorger tief, glaubt Lucien Jenny. Der Unternehmer und Gemeinderat aus dem elsässischen Wiedensolen ist Mitglied der Gruppierung Citoyens Vigilantes (CiVi) und seit Jahrzehnten aktiv in der französischen Anti-Akw-Bewegung.

"Ohne den Druck aus Deutschland wäre das Kraftwerk noch lange weitergelaufen", ist Lucien Jenny überzeugt. Auch dies sei Mitursache für ein gewisses Verschnupftsein beim französischen Staatskonzern.

Schon vor etwa zwei Jahren sei die EDF mit der Idee eines Technocentre "vorgeprescht", erinnert sich der Kopf der 2011 ins Leben gerufenen Breisacher Montagsmahnwache für die Abschaltung des Fessenheimer Atomkraftwerks, Gustav Rosa. Allerdings hatte man sich eine deutsche Beteiligung gewünscht, sowohl finanziell als auch bei der Anlieferung von radioaktivem Müll zur Weiterverarbeitung.
 

Rückblick: Pläne für Nuklear-Recycling in Fessenheim stoßen auf Kritik bei Kreisräten

Schließlich arbeiteten die Deutschen am Atomausstieg und Material aus geschlossenen Atomkraftwerken falle somit an. Jedoch war aus Deutschland schon damals, von Stuttgart bis Berlin, ein klares Nein zum Technocentre gekommen, die Angelegenheit schien damit vom Tisch. Nun ploppte das Thema wieder auf, "ein Aufschrei" sei durch die gesamte Protestbewegung gegangen, sagt Rosa.

Oberrheingebiet mit vielen Umweltbelastungen

"Das bereits umfangreichen Umweltbelastungen unterliegende Gebiet dies- und jenseits des Oberrheins – Lärm, industrielle Emissionen, Altlasten oder Giftmüll wie in Stocamine – mit seinen so wertvollen Ressourcen Natur, Landschaft und Wasser darf nicht noch weiterem Stress und fortdauernden nuklearen Risiken mit entsprechender Schwerindustrie ausgesetzt werden", fasst Jürgen Hauke zusammen.

Er gehört zum Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (AGUS) Markgräflerland, die zu den Mitunterzeichnern der Fessenheimer Erklärung zählt. "Keine Atomtec in Fessenheim mehr – Achtsames her", reimt Carola Neukirchen von der Gruppe "Stopp Akw Fessenheim sofort" aus Bollschweil, die ebenfalls zu den Unterzeichnern gehört.

Da ein Technocentre im Elsass die Sorge wegen Gesundheitsbedrohung und bekannten Gefahren fortsetzen würde – schon allein wegen der dazugehörigen Castor-Transporte – "tun wir gut daran, fest zu propagieren, dass niemand derlei wirklich will", betont Neukirchen.

Protest-Fest in Breisach geplant

Wirklich gewollt werde indes der deutsch-französische Gewerbepark, betont Rosa. Solange aber das Technocentre im Raum stehe, fänden sich dafür keine Interessenten unter den Unternehmern, befürchtet Jenny. Das Technocentre wäre zudem ein Stachel im Fleisch der deutsch-französischen Zusammenarbeit – am Oberrhein und darüber hinaus, davon sind beide überzeugt. Ebenfalls überzeugt sind beide, dass Widerstand nicht zwecklos ist.

So wird am 14. September um 17 Uhr die 491. Montagmahnwache auf dem Neutorplatz in Breisach unter dem Motto "Kein Technocentre in Fessenheim" stehen.
 

Fotos: Fessenheim – Geschichte des umstrittenen Kernkraftwerks am Rhein

Bei dem unter Corona-Bedingungen geplanten Protest-Fest werden Redner aus Politik und Verbänden erwartet, außerdem wird es ein musikalisches Begleitprogramm mit Protest-Urgesteinen wie dem Liedermacher und Wyhl-Widerständler Roland "Buki" Burkhart geben.

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