Freitag, 14 Januar 2022 09:39

Bundesamt gegen grünes Label für Atomkraft Empfehlung

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Dampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks Isar 1 im bayerischen Niederaichenbach (Archivbild) Dampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks Isar 1 im bayerischen Niederaichenbach (Archivbild) dpa

 

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung kritisiert die Pläne, Atomkraft als nachhaltige Energieform einzustufen. Die EU-Entscheidung sei nicht nachvollziehbar. Wichtige Punkte seien unberücksichtigt geblieben.

Die EU will Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als nachhaltig einstufen, der dort produzierte Strom soll damit als klimafreundlich gelten. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) warnt davor, diese Pläne umzusetzen.

Die EU-Kommission verstelle den Blick darauf, dass Atomenergie nicht nachhaltig sei, heißt es in der Analyse, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Zentrale Kriterien, wie etwa die Gefahr von nuklearen Unfällen oder die Schwierigkeiten bei der Entsorgung von Atomabfällen, würden in der EU-Abwägung viel zu wenig beachtet.

Einstufung sei aus fachlicher Sicht nicht haltbar

Den EU-Plänen zufolge sollen Investitionen in neue Atomkraftwerke als nachhaltig klassifiziert werden, falls sie neuesten Standards entsprechen und ein konkreter Plan für den Umgang mit dem radioaktiven Müll vorliegt. Der Chef des BASE, Wolfram König, bezeichnet Atomenergie als Hochrisikotechnologie, die auch die "Gefahr des Missbrauchs von radioaktivem Material für terroristische und kriegerische Zwecke" berge. Aus fachlicher Sicht sei die Einordnung von Atomkraft als nachhaltig nicht haltbar.

 
Kommenden Generationen bürden wir damit erhebliche Lasten auf, die auch mit dem Anspruch der Generationengerechtigkeit nicht in Einklang zu bringen sind.

In vielen europäischen Ländern sei die Haftung der Kraftwerksbetreiber stark limitiert. Für schwere Unfälle mit erheblichem Austritt von Radioaktivität würden die Haftungssummen nicht ausreichen, so das Bundesamt. Auch greife das Argument, Atomkraftwerke würden kaum klimaschädliche Gase ausstoßen, zu kurz. Es werde in der Klimabilanz lediglich der Betrieb der Kraftwerke betrachtet, nicht aber etwa Rückbau oder Urangewinnung, die durchaus zum Ausstoß von Treibhausgasen führten.

Pläne auch in anderen EU-Staaten umstritten

Die Einstufung ist auch in anderen EU-Staaten umstritten. Trotzdem gilt als wahrscheinlich, dass der Vorschlag der EU-Kommission angenommen wird - denn zu wenige Mitgliedsstaaten haben sich bisher gegen die Einstufung von Atomkraft als nachhaltig ausgesprochen. Deutschland selbst ist bei der Frage gespalten, da neben Atomkraftwerken auch Gaskraftwerke als nachhaltig eingestuft werden sollen.

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