Fessenheim

Fessenheim (37)

Dienstag, 09 Januar 2024 09:15

Stromkonzern EDF treibt Fessenheim-Projekt voran

geschrieben von

Der französische Stromkonzern EDF will nahe der deutschen Grenze eine Verwertungsanlage für leicht radioaktiv belasteten Schrott bauen. Von deutscher Seite gibt es viel Kritik an dem Vorhaben.

Der französische Stromkonzern EDF will eine Verwertungsanlage für schwach radioaktiv belasteten Schrott am elsässischen Standort Fessenheim einrichten. Der Schrott soll aus Atomanlagen kommen. Fessenheim liegt nur wenige Kilometer hinter der Grenze zu Deutschland. Darum soll bei dem mehrstufigen Verfahren zur Genehmigung auch die Öffentlichkeit im benachbarten Deutschland eingebunden werden, teilte eine EDF-Sprecherin mit. Denn in Deutschland gibt seit langem Kritik an dem Industrievorhaben. EDF will die Verwertungsanlage ("Technocentre") auf einem bisher ungenutzten Areal des Standorts 2031 in Betrieb nehmen.

Das Atomkraftwerk Fessenheim südöstlich von Colmar war 2020 nach 42 Betriebsjahren stillgelegt worden. Der Rückbau soll voraussichtlich 2026 beginnen. Für das Jahr 2027 erwartet das Regierungspräsidium Freiburg dann die grenzüberschreitende Öffentlichkeitsbeteiligung ("Enquête publique"), wie eine Sprecherin berichtete. Bürgerinnen und Bürger sowie Behörden könnten sich dann beteiligen.

"Das Regierungspräsidium Freiburg wird das Genehmigungsverfahren für das Technocentre sehr aufmerksam verfolgen und die Interessen der deutschen Seite im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung in das französische Verfahren einbringen", so die Sprecherin. Die baden-württembergische Landesregierung machte im zurückliegenden Jahr deutlich, dass sie - wie die Bundesregierung - die Pläne von EDF für ein Technocentre "bedauert".

Kritik von mehreren Seiten

Gegen das Technocentre gibt es seit Jahren viel Kritik: Umweltschützern befürchten etwa, dass Radioaktivität in wiederverwerteten Metallen auftritt. Das Freiburger Regierungspräsidium sieht bei dem Projekt immerhin einen Lichtblick. EDF habe bei einem Termin im Dezember mitgeteilt, dass Schiffe mit ausgebauten Dampferzeugern aus anderen Kernkraftwerken am Rheinseitenkanal auf Höhe der elsässischen Kommunen Nambsheim oder Ottmarsheim anlanden werden. Eine Belastung, die mit dem Umladen verbunden ist, sei damit für die deutsche Grenzstadt Breisach vom Tisch.

Und trotzdem: "Wenn nun der Schrott aller Kernkraftwerke aus Europa oder Frankreich bei ihnen mit großen Containern vorbeitransportiert wird, ist es nicht das, was sich die Region gewünscht hat", hatte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bereits zu den Transporten gesagt.

Frankreich setzt auf Atomkraft

Fessenheim hat eine Bedeutung, die weit über die Oberrheinregion hinausreicht: Deutschland und Frankreich schrieben sich gemeinsam auf die Fahnen, bei der Nutzung des Gebiets rund um das AKW zusammenzuarbeiten. Das Vorhaben gehört zu einer von Berlin und Paris fest vereinbarten Liste, um den Aachener Vertrag für die deutsch-französische Zusammenarbeit umzusetzen. Der neue Vertrag war im Januar 2019 von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterschrieben worden.

Eine deutsch-französische Firma für einen Gewerbepark beim stillgelegten Atomkraftwerk wurde jedoch wieder aufgelöst - wegen Umweltschutzauflagen stand letztlich nur ein begrenztes Gelände zur Verfügung. Die Landesregierung versicherte aber, sich weiter für den Fessenheim-Zukunftsprozess einzusetzen.

Frankreich setzt im Gegensatz zu Deutschland auf die Atomkraft, und will damit auch Klimaschutzziele erreichen. Geprüft wird nach früheren Angaben der Bau von 14 neuen Atomkraftwerken bis zum Jahr 2050. Zudem soll die Laufzeit bestehender Kraftwerke von 40 auf 50 Jahre erhöht werden - wenn die Sicherheit dies zulässt.

Donnerstag, 20 Juli 2023 10:33

Kommt die Atomkraft zurück nach Fessenheim?

geschrieben von

Von Bärbel Nückles

Fessenheims Bürgermeister bewirbt sich offensiv für einen der neuen, in Frankreich geplanten Mini-Reaktoren. Er ist sich zudem sicher, dass eine Anlage zum Rückbau von Nuklearanlagen bei ihm errichtet wird.

Für Claude Brender war das Atomkraftwerk in Fessenheim stets ein Garant für Steuereinnahmen, Arbeit und Wohlstand. Man erinnert sich: In Fessenheim lief bis zur endgültigen Stilllegung im Juni 2020 Frankreichs ältestes noch betriebenes AKW, Baujahr 1977. Die Abschaltung, wird Brender, Bürgermeister von Fessenheim, bis heute nicht müde zu betonen, geschah "vorzeitig". "Wenn Frankreich nun einen neuen Anlauf in der Atomindustrie nimmt, dann muss Fessenheim dabei sein", findet der Bürgermeister der elsässischen Gemeinde jenseits des Rheins.

Kehrt die Atomenergie, wie André Hatz von Stop Fessenheim befürchtet, durch die Hintertür zurück? In einer Diskussion im regionalen Fenster des Privatsenders BFMTV saßen sich Hatz und Brender vor wenigen Wochen gegenüber. Es war wie in Zeiten vor der Stilllegung des AKW vor drei Jahren. Brender lobte die Atomkraft als klimafreundliche Zukunftstechnologie und nannte Hatz einen Ewiggestrigen. Hatz verwies auf die hohen Kosten für die Entwicklung und den Bau neuer Reaktoren und hielt Brender vor, er habe Jahre verschlafen, in denen er sich geweigert habe, der Stilllegung ins Auge zu sehen und die Zeit danach wirtschaftlich vorzubereiten.

André Hatz berichtet, wie offensiv die Politik nun Fessenheim als neuen AKW-Standort ins Spiel bringt. Weil man in Jahrzehnten gelernt habe, sagt er, dass sich von den Steuereinnahmen gut leben lässt. "Der französischen Atomindustrie hätte jedenfalls nichts Besseres passieren können, als dass Leute wie Brender die Lobbyarbeit erledigen", sagt Hatz. Sein Verweis auf den Aachener Vertrag, in dem sich Deutschland und Frankreich auf ein nachhaltiges Projekt für die Zeit nach dem AKW-Aus für Fessenheim verpflichtet hätten, verhallt. Atomkraft gleich klimaneutral, das ist französische Doktrin.

Seit die Regierung in Paris den Bau neuer Reaktoren vom Typ Small Modular Reactor (SMR) beschlossen hat, hat der Bürgermeister keine Zeit verloren und ist persönlich im Energieministerium vorstellig geworden. Es geht um zwei der Mini-Reaktoren mit einer Leistung von zusammen 340 Megawatt – also fünfmal weniger als die abgeschalteten 900-MW-Reaktoren aus den 1970er Jahren. Vor Ort verfügt der AKW-Betreiber Electricité de France (EDF) über ausreichend Fläche. 15 Hektar sind es neben dem abgeschalteten AKW, wenn auch inzwischen von dichtem Auwald überwuchert: EDF wollte damals zwei weitere Reaktoren bauen.

Referenzanlage für Mini-Reaktoren geplant


Zu möglichen Standortplänen für die Mini-Reaktoren äußerte der Konzern gegenüber der Tageszeitung Le Monde, dass der Bau einer "Referenzanlage" 2030 angestrebt werde. Die Liste der potenziellen Standorte werde gerade erarbeitet. Ob Fessenheim darin eine entscheidende Rolle spielen könnte, wird nicht kommentiert.

Raphael Schellenberger, konservativer Abgeordneter von Les Républicains für den Haut-Rhin, sagt im Gespräch mit der Badischen Zeitung, dass er Ende Juni gemeinsam mit Claude Brender mit dem Verantwortlichen für die neue Atompolitik aus dem zuständigen Ministerium in Paris sprechen werde. Wie der Bürgermeister von Fessenheim hält auch Schellenberger die Stilllegung des elsässischen AKW für einen historischen Irrtum. "Unsere Botschaft ist jedenfalls, dass wir bereit sind, im Bereich Fessenheim neue Reaktoren zu bauen", betont Schellenberger. Die Entwicklung der Modularen Reaktoren sei allerdings noch nicht so weit vorangeschritten, dass man dazu konkreter werden könne.

Claude Brender: Fessenheim hat den Zuschlag


Präziser werden er wie Brender bei einem anderen Vorhaben der EDF, dem Technocentre, einer Einschmelzanlage für Metall aus dem Rückbau von Nuklearanlagen, das nach der Dekontaminierung anschließend etwa für industrielle Zwecke eingesetzt werden kann. Weder den elsässischen AKW-Gegnern noch auf deutscher Seite gefällt dieses Vorhaben der EDF, das im Februar 2019 erstmals von Frankreich präsentiert wurde. So hatte man sich das "Zukunftsprojekt Fessenheim" nicht vorgestellt.

Anfangs schien noch Tricastin im Rhonetal, ein anderer AKW-Standort in Frankreich, dafür im Rennen zu sein. Die EDF ließ 2020 verlauten, dass eine Entscheidung 2023 fallen werde. Claude Brender sagt, sein Stand sei, dass Fessenheim den Zuschlag habe. Noch vor der Sommerpause, werde EDF das Vorhaben im Rat der zuständigen Verbandsgemeinde Pays Rhin-Brisach präsentieren. Nach einem Antragsverfahren rechne er 2026 mit der Erteilung der Baugenehmigung, also etwa zeitgleich, wenn der eigentliche Rückbau des AKW beginnen soll.

Auch was die Sprecherin der EDF in Fessenheim auf Nachfrage zum Thema Technocentre äußert, weist in diese Richtung. "Der derzeit bevorzugte Standort befindet sich auf dem Reservegrundstück der EDF neben dem AKW Fessenheim", sagt Delphine Rorive. Zudem habe der französische Gesetzgeber inzwischen die rechtliche Grundlage für eine Weiterverwertung schwach radioaktiver AKW-Altmetalle geschaffen, ohne die der Bau eines Technocentre nicht möglich wäre.

Raphael Schellenberger geht ebenfalls davon aus, dass in Fessenheim die Recyclinganlage gebaut wird. "Im Übrigen brauchen wir eine solche Anlage in Frankreich", betont der Abgeordnete, andere Länder hätten das auch. Schellenberger, der auch Präsident der Fessenheim-Informationskommission ist, hat mit einer Abordnung dieses Gremiums jüngst das baden-württembergische AKW Philippsburg besucht, dessen Rückbau seit 2017 läuft. Schellenberger verteidigt die Pläne für ein Technocentre in Fessenheim: "In Philippsburg geschieht im Zuge des Rückbaus genau dasselbe."

Mittwoch, 05 Juli 2023 09:32

Gefahr durch Atomanlagen auch ohne Fessenheim

geschrieben von

Von Ruth Seitz

Das Atomkraftwerk in Fessenheim ist seit drei Jahren abgeschaltet. Doch für Axel Mayer ist die atomare Gefahr am Ober- und Hochrhein weiterhin real und groß.

Seit drei Jahren ist das Kernkraftwerk Fessenheim endgültig vom Netz, doch die atomare Bedrohung am Oberrhein bleibe, betonte Axel Mayer, Umweltaktivist, Grünen-Kreisrat und langjähriger BUND-Geschäftsführer, bei der Mahnwache zum Jahrestag der Abschaltung des AKW am Freitagabend auf dem Endinger Marktplatz vor rund 20 Teilnehmern. Die Umwelt- und Anti-Atombewegung in Südbaden könne sich keineswegs zurücklehnen und auf alten Erfolgen ausruhen. Mayer verglich die Pro-Atom-Kampagnen im Zuge des Atomausstiegs mit der einstigen Filbinger-Warnung, wonach das Licht im Land ausgehe, wenn das AKW Wyhl nicht gebaut werde. Mayer: "Angst-Kampagnen wirken besser als Aufklärung." Der mühsam erkämpfte Ausstieg sei der Einstieg in die erneuerbaren Energien gewesen. Gegen die Macht der "atomar-fossilen Seilschaften" müsse die Anti-Atombewegung die Klimaschutzbewegung noch stärker unterstützen und die Energiewende durchsetzen. Letztlich sei das alles ein Kampf um das Energieerzeugungsmonopol.

Auch was das gerade mal 28 Kilometer Luftlinie vom Kaiserstuhl entfernte Fessenheim betreffe, dürfe die Wachsamkeit nicht nachlassen, warnte Mayer angesichts des dort geplanten Technocentre. Die EdF plane den Bau einer Recyclinganlage für atomaren Müll. Die sei zwar vom Gefahrenpotential her nicht mit einem AKW im Betrieb zu vergleichen, doch die EdF habe nie auf den Standort am Rhein verzichtet. Das lasse mit Blick auf einen möglichen politischen Machtwechsel in Frankreich Spielraum für Befürchtungen, dass ein neuer Atomreaktor in Fessenheim gebaut werden könnte.

Doch das atomare Risiko am Ober- und Hochrhein häufe sich auch ohne Fessenheim, betonte Mayer mit Verweis auf die Schweiz. In Beznau stehe "das älteste und eines der gefährlichsten Atomkraftwerke der Welt", in Leibstadt laufe ein veralteter Siedewasserreaktor vom Typ Fukushima und die Schweiz betreibe nicht nur ihr Zwischenlager für Atommüll nahe der deutschen Grenze, sondern plane dort auch ihr atomares Endlager. Mayers Fazit: "Der Umwelt- und Anti-Atombewegung am Oberrhein wird es auf absehbare Zeit leider nicht langweilig werden."

Freitag, 30 Juni 2023 12:10

In Fessenheim soll das Technocentre 2031 in Betrieb gehen

geschrieben von

Von Bärbel Nückles

Auf dem Gelände des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim sollen bald Stahlblöcke aus leicht radioaktivem Material hergestellt werden. Beginnt der Bau schon in vier Jahren?

Das vom französischen Energieunternehmen Electricité de France (EDF) in Fessenheim geplante Technocentre soll 2031 in Betrieb gehen. Das bestätigte eine Sprecherin des Stromkonzerns der Badischen Zeitung. Angestrebter Standort für die Recyclinganlage zum Einschmelzen von Komponenten aus dem Rückbau von Atomanlagen sei Fessenheim. Die verwerteten, sehr schwach radioaktiven Teile, heißt es in der Antwort weiter, könnten anschließend im konventionellen industriellen Bereich eingesetzt werden.  So würden nach Ansicht von EDF natürliche Ressourcen geschont und Lagerkapazitäten für schwach radioaktive Abfälle gespart.

Das verwertbare Potential schätzt EDF auf 500.000 Tonnen Metall, insbesondere von Dampferzeugern aus Atomkraftwerken, die nach bestimmten Zyklen ersetzt werden müssen. Mit der in Fessenheim vorgesehenen Anlage sollen pro Jahr 20.000 Tonnen Stahlblöcke hergestellt werden. Das dafür nötige Ausgangsmaterial stamme in erster Linie aus Frankreich und nur zu einem geringen Teil aus dem Ausland. Der Tageszeitung Les Dernières Nouvelles d'Alsace sagte der zuständige EDF-Manager Laurent Jarry, dass die Vorplanung für die Anlage sowie die Umweltstudie bereits abgeschlossen seien. Jarry, der bislang die Rückbauplanung für Fessenheim verantwortet, betonte zudem, dass das Technocentre mit Unterstützung der Regierung vorangetrieben werde. Das Projekt komme als eines unter vielen in den Genuss eines staatlichen Förderprogramms (Plan France Relance) mit einem Gesamtvolumen von 100 Milliarden Euro.

Atomkraftgegner sind nicht glücklich mit den Plänen


Gebaut werden soll das Technocentre auf einem 15 Hektar großen Teilbereich der 60 Hektar Brache nördlich der stillgelegten Reaktoren. Jarry verspricht minimale Sichtbarkeit, was einen Hinweis auf den fortgeschrittenen Stand der Planung bedeuten dürfte. Laut Jarry werde die EDF-Spitze das unter Atomkraftgegnern umstrittene Technocentre Anfang Juli final absegnen. Alle weiteren wichtigen Verfahrens- und Planungsschritte sollen in diesem und dem kommenden Jahr abgeschlossen werden. Der Zeitplan sieht eine öffentliche Anhörung 2026 und den Beginn der vierjährigen Bauzeit 2027 vor. EDF hat vor Jahren schon eine solche Anlage in Schweden gekauft, verfügt also über das Know-how. 

Die Unterstützung vom Nachbarn Deutschland für das Projekt sei "keine Notwendigkeit", sagte Laurent Jarry. Die Anlage steht allerdings den Plänen für einen sauberen, grünen Innovationspark, wie man ihn sich ganz besonders auf deutscher Seite für das Fessenheim-Zukunftsprojekt gewünscht hat, diametral entgegen. Die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hatte bereits im vergangenen Jahr betont, von deutscher Seite gebe es Widerstand gegen die Pläne für eine Verwertungsanlage.

 

 

von: Gabi Krings

 

Ein Drogenkurier hat mit einem Sportflieger das stillgelegte AKW im elsässischen Fessenheim nahe Freiburg überflogen. Ein Abfangjäger hat daraufhin die Verfolgung aufgenommen.

Ein Flugzeug ist am Samstag beim verbotenen Überflug über das stillgelegte französische Atomkraftwerk Fessenheim am Rhein nahe Freiburg aufgefallen. Wie der Sender France Info unter Berufung auf Ermittler berichtet, ist ein Abfangjäger vom Typ Rafale daraufhin aufgestiegen, um das Sportflugzeug zur Landung zu zwingen.

Verfolgungsjagd bis Südfrankreich

Es folgte eine rund 500 Kilometer lange Verfolgungsjagd bis Südfrankreich. Dort habe der Kampfjet-Pilot beobachtet, wie mehrere Pakete aus dem Sportflugzeug abgeworfen wurden. Der Sportflieger landete dem Bericht zufolge schließlich auf dem Flugplatz von Aubenas (Département Ardèche, Région Auvergne-Rhône-Alpes). Dort habe der Pilot das Personal mit dem Tod bedroht und sei dann zu Fuß geflüchtet. Spezialkräfte der Polizei konnten ihn allerdings unweit des Flugplatzes festnehmen.

Polizeibekannter Drogenkurier

Wie der Sender France bleu berichtete, war der Mann bei den Behörden bereits wegen Drogenhandels bekannt. Die abgeworfenen Pakete wurden in mehreren kleinen Bergdörfern entdeckt. Sie beinhalteten eine synthetische Droge, die eine ähnliche Wirkung wie Kokain hat.

Dienstag, 27 Juni 2023 12:03

Fessenheim: EDF stellt Zeitplan für Technocentre vor

geschrieben von

Die deutsche Seite ist enttäuscht, dass die umstrittene Recyclinganlage für schwach radioaktive Metalle in Fessenheim kommen soll. Das sei für die Innovationsregion kontraproduktiv.

Der französische Energiekonzern EDF hat seine Pläne für eine Recyclinganlage für schwach radioaktive Metalle im elsässischen Fessenheim, das sogenannte "Technocentre", vorgestellt. Dies hat das Regierungspräsidium Freiburg mitteilt, das bei einem Informationstermin der Präfektur Haut-Rhin zum Zukunftsprozess Fessenheim davon erfuhr. Ein Vertreter der EDF erläuterte dort den fertigen Zeitplan für das "Technocentre".

Der Zeitplan ist eingetütet - Baubeginn in vier Jahren?

Die Pläne für die Recyclinganlage sind fertig gestellt. "Eine Umweltverträglichkeitsprüfung wurde bereits durchgeführt", so Lauren Jarry, EDF-Manager Fessenheim. Für den Herbst kündigte Laurent Jarry weitere geologische Untersuchungen an. 2027 soll schließlich mit dem Bau der 30.000 Quadratmeter großen Anlage begonnen werden. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit ist für 2026 vorgesehen.

Klare Kritik an französischer Entscheidung trotz Partnerschaft

"Seit Beginn des Zukunftsprozesses haben wir uns wiederholt klar gegen Überlegungen für ein "Technocentre" ausgesprochen", so Klaus Schüle, Leiter der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Regierungspräsidium Freiburg. Die deutsche Seite hatte für die Innovationsregion große Hoffnungen in "passendere gemeinsame Innovationsprojekte" gesetzt, so Schüle weiter.

Auch die Freiburger Regierungspräsidenntin Bärbel Schäfer macht ihren Frust deutlich. "Dass das "Technocentre" kommt, ja ganz offen, es ist eine bittere Pille, die wir da schlucken müssen. Wir sind natürlich an der Entscheidung nicht beteiligt. Wir haben uns immer ganz klar positioniert, aber wir sind Nachbarn, wir arbeiten zusammen und insofern werden wir auch einen Umgang miteinander finden. Allerdings muss natürlich diese Partnerschaft auch vertragen, dass wir klare Worte sprechen.“

Das "Technocentre" stößt auch bei örtlichen Umweltschützern auf Kritik. Sie befürchten Radioaktivität in wiederverwerteten Metallen.

Liebherr plant Fertigungsstandort im neuen Industriepark EcoRhena

Trotz aller Irritationen begrüßt Schüle die Investitionen des Unternehmens Liebherr bei Fessenheim. Denn seit der Schließung des Atomkraftwerks setzt man große Hoffnungen in den neuen Gewerbepark EcoRhena. In zwei Jahren will Liebherr dort seinen neuen Standort fertigstellen. Das Unternehmen hat 170 Millionen Euro investiert, um seine Produktion aus Russland wieder zurückzuholen. 300 Arbeitsplätze sollen entstehen. Liebherr-France mit Sitz in Colmar entwickelt und produziert Raupenbagger. Am neuen Standort will Liebherr Schweißkomponenten herstellen und Montagearbeiten für Fahrerkabinen vornehmen.

 
 
 
 
Dienstag, 06 September 2022 09:16

Fessenheim: schlimmste regionale Unfallgefahr endlich gebannt

geschrieben von

 

Fessenheim: schlimmste regionale Unfallgefahr endlich gebannt

Der gesamte Kernbrennstoff des Atomkraftwerks Fessenheim (Haut-Rhin) ist nun, zwei Jahre nach seiner vollständigen Abschaltung, abtransportiert worden, wie das Kraftwerk mitteilte.  99,9 % der Radioaktivität (Brennelemente) ist nicht mehr in Fessenheim, dafür aber  in La Hague. Der letzte Konvoi aus Fessenheim traf am Freitag in La Hague ein.

Das ist eine gute Nachricht für die Region, denn die Gefahr eines Super-GAU ist endlich gebannt. Das Problem ist aber nur scheinbar "weg".  Es wurde exportiert.

Atommüll, Plutonium, Halbwertszeit und der Pharao
In Fessenheim strahlten zwei Reaktoren mit je. ca. 900 MW. Beim Betrieb eines AKW mit 1000 MW Leistung entstehen pro Jahr ca. 200 - 250 kg hochgefährliches Plutonium. Wenn der bekannte ägyptische Pharao Cheops vor 4550 Jahren nicht die berühmte Pyramide gebaut, sondern ein AKW 4 Jahre lang betrieben hätte, dann wären neben vielen anderen Abfällen ca. 1000 kg Plutonium zusammengekommen. Bei einer Halbwertszeit von 24 110 Jahren (Plutonium 239) wären heute noch 877 kg vorhanden. Nach 10 Halbwertszeiten, also nach 241 100 Jahren müssten immer noch ca. 0,1% der Ausgangsmenge, also 1 kg Plutonium dauerhaft sicher gelagert werden. Wir brauchen Atommülllager, die eine Million Jahre Sicherheit gewährleisten...

Jetzt sollten wir uns verstärkt um die Uralt-AKW in der Schweiz und um die Debatte um Gefahrzeitverlängerung kümmern.

Dennoch endlich mal eine Teil-Gute Nachricht.
Axel Mayer

 

AKW KKW Fessenheim - Alle Infos zum maroden, abgestellten, französischen Atomkraftwerk

Montag, 14 Februar 2022 17:02

Pas de nouvelles centrales nucléaires à Fessenheim !

geschrieben von

von Axel Mayer

A l'attention des médias,

une contribution au débat de

*Axel Mayer, vice-président du Trinationaler Atomschutzverband - TRAS, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (ancien) directeur du BUND dans le Rhin Supérieur
*Claude Ledergerber, vice-président de l’Association Trinationale de Protection Nucléaire - ATPN, Comité pour la Sauvegarde de Fessenheim et de la Plaine du Rhin - CSFR

Pas de nouvelles centrales nucléaires à Fessenheim !


à la version allemande
Les deux réacteurs de la centrale nucléaire française vieillissante de Fessenheim ont finalement été arrêtés le 22 février 2020 et le 29 juin 2020, après de longues batailles. Dans la majorité des cas, la joie était grande dans la région trinationale du Rhin supérieur, après avoir été si longtemps sous la menace d’un éventuel accident. Mais dans cette joie et ce soulagement, une question importante n'a pas été posée : celle de l’abandon contraignant et définitif de la construction d'une future centrale nucléaire sur le site de la centrale sur le Rhin. Il n'y a jamais eu de renoncement officiel et à long terme du site..

Le 10 avril 2022 aura lieu le premier tour des élections présidentielles françaises. Un futur gouvernement français populiste de droite ne serait pas le seul à pouvoir ressortir à tout moment le site de la centrale de Fessenheim du placard.

Le président Macron, technocrate et libéral sur le plan économique, mise sur la prétendue "arme miracle" qu'est le nucléaire dans la guerre perdue d'avance contre l'homme, le climat, l'environnement et la nature. Macron a annoncé la construction jusqu'à 14 nouveaux réacteurs nucléaires. De 2035 à 2050, six réacteurs EPR de la "nouvelle" génération devraient être raccordés au réseau, déclare Macron en ce mois de février 2022. Il souhaite également une prolongation des centrales nucléaires déjà vieillissantes, donc aussi du risque de dangerosité et si possible au-delà de 50 ans de fonctionnement.

Le publiciste d'extrême droite Éric Zemmour et la populiste d'extrême droite française Marine Le Pen défendent sans réserve le lien entre le pouvoir, les centrales nucléaires et l'arme nucléaire française. Marine Le Pen a même demandé en novembre 2021 la remise en service de la centrale nucléaire de Fessenheim, en cours de démantèlement, et certains élus de droite alsaciens soutiennent cette proposition. Ce qui prouve une fois de plus la méconnaissance totale et affligeante de la problématique du nucléaire, pour cette partie de l’échiquier politique. Le démantèlement des deux réacteurs est bien avancé et une réparation des centrales nucléaires vieillissantes est hors de prix. Les populistes de droite ont toutefois un flair très fin lorsqu'il s'agit de monter les gens les uns contre les autres par-delà les frontières, tout en tirant leur force de tels conflits, même mis en scène.

Du point de vue du producteur d'énergie (EDF) en quasi-faillite, le site (lié au refroidissement) sur le Rhin plaiderait tout à fait en faveur d'une nouvelle centrale nucléaire à Fessenheim, si le changement climatique et la baisse du niveau du Rhin ne venaient pas contrecarrer les calculs. Les dangers des nouveaux réacteurs nucléaires, le risque sismique dans le fossé rhénan, les coûts énormes et l’opposition trinationale massive à laquelle il faut s'attendre sur ce site plaident contre une nouvelle centrale nucléaire. Celui qui veut imposer politiquement une «ancienne-nouvelle» technologie à haut risque et qui a tiré les leçons des protestations massives à Wyhl, Fessenheim, Plogoff et Mallville, ne construit pas dans une région de protestation.

Le seul réacteur européen à eau pressurisée (EPR) actuellement en construction en France sera raccordé au réseau au plus tôt en 2024, avec douze ans de retard, et son coût sera presque six fois supérieur à la prévision. Il ne sera jamais rentable. Les deux EPR construits en Chine sont en train de se disloquer. L'histoire du nucléaire français n'est pas une success story, mais une histoire de dettes, de faillites, de malchances, de pannes, voire de falsifications. C'est ce que disent non seulement les mouvements écologistes, mais aussi le cours à long terme de l'action EDF. Les dettes de l’industrie nucléaire française et les centrales nucléaires de plus en plus délabrées menacent de conduire l'Etat à la ruine financière.

Le lobby nucléaire international s’était fait un peu oublié, pendant une courte période, après les nombreuses victimes de l'utilisation "civile" de l'énergie nucléaire, suite à Fukushima et Tchernobyl. Il n'a pas renoncé pour autant. En France, le "village nucléaire", -les vieilles et puissantes cordées de sociétés, de lobbyistes, de technocrates et de partis nucléaires- est bien vivant et étroitement lié à la force de frappe nucléaire.

Le réacteur européen à eau pressurisée EPR et les nouveaux petits réacteurs au thorium apportent de nouveaux dangers et des déchets nucléaires qui irradient pendant un million d'années. Le prétexte de la protection du climat est utilisé pour blanchir ces nouvelles centrales nucléaires, et pas seulement en France. Pourquoi des technocrates comme Monsieur Macron misent-ils sur une technologie à haut risque, dangereuse et coûteuse, alors qu'il existe des alternatives au coût maîtrisé, respectueuses de l'environnement et créatrices d'emplois et qui ne permettent pas de fabriquer des bombes atomiques ! D'où vient cette incapacité de la politique à tirer les leçons de ses anciennes erreurs ? Derrière le rêve d'un nucléaire renouvelé se cache l'espoir désespéré d'une poursuite du gaspillage et de la destruction, une poursuite de la surconsommation, de la dilapidation des matières premières, de l'extinction des espèces et aussi des futures armes nucléaires.

Un gouvernement français populiste de droite serait très probablement favorable, aussi par amour du conflit avec l’Allemagne, à la construction d'une nouvelle centrale nucléaire à Fessenheim, Un président fanatique du marché libre et non faussé comme M. Macron devrait au moins savoir compter et comprendre que l’énergie nucléaire est une réponse caduque face à l’urgence climatique

Ce que nous pouvons et devons opposer à cela, c'est une poursuite de la bonne coopération trinationale réussie par-delà les frontières. Une Europe des hommes, que nous pratiquons depuis bientôt 50 ans, depuis les premières protestations à Marckolsheim,Wyhl et Kaiseraugst.

Axel Mayer, vice-président de TRAS-ATPN, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (ancien) directeur du BUND dans le Rhin supérieur.
Claude Ledergerber, vice-président de TRAS-ATPN, CSFR

 

Montag, 14 Februar 2022 17:10

Keine neuen Atomkraftwerke nach Fessenheim!

geschrieben von

von Axel Mayer

version française

Die beiden Reaktoren des altersschwachen französischen AKW in Fessenheim wurden nach langen Kämpfen am 22. Februar 2020 und am 29. Juni 2020 endlich abgeschaltet. Mehrheitlich war die Freude in der von einem möglichen Unfall bedrohten, trinationalen Region am Oberrhein groß. Doch in dieser Freude und Erleichterung wurde eine wichtige Frage nicht gestellt: die Frage nach dem verbindlichen, dauerhaften Verzicht auf den Neubau eines zukünftigen AKW am Kraftwerksstandort am Rhein. Einen offiziellen, langfristigen Verzicht auf den Kraftwerksstandort Fessenheim am Rhein hat es nie gegeben.

Am 10. April 2022 findet der erste Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen statt. Nicht nur eine zukünftige rechtspopulistische französische Regierung könnte den Kraftwerksstandort Fessenheim jederzeit wieder aus der Schublade holen.

Der Technokrat und wirtschaftsliberale Präsident Macron setzt auf die vermeintliche "Wunderwaffe" Atomkraft im verloren gehenden Krieg gegen Mensch, Klima, Umwelt und Natur. Macron hat den Bau von bis zu 14 neuen Atomreaktoren angekündigt. Von 2035 bis 2050 sollen sechs Reaktoren der «neuen» Generation ans Netz gehen, sagte Macron im Februar 2022. Er möchte auch eine Gefahrzeitverlängerung für die jetzt schon überalterten AKW, wenn möglich über 50 Jahre hinaus.

Der rechtsextreme Publizist Éric Zemmour und die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen stehen uneingeschränkt für die Verbindung von Macht, Atomkraftwerken und französischen Atomwaffen. Marine Le Pen hat im November 2021 sogar die Wieder-Inbetriebnahme des im Abbruch befindlichen AKW Fessenheim gefordert und rechte Parteien im Elsass unterstützen diesen Vorschlag. Allerdings ist der Abriss der beiden Reaktorblöcke weit fortgeschritten und eine Reparatur der altersschwachen Atomkraftwerke unbezahlbar. Rechtspopulisten haben allerdings ein feines Gespür, wenn es darum geht, Menschen grenzüberschreitend gegeneinander auszuspielen und sie ziehen ihre Kraft aus solchen, auch inszenierten, Konflikten.

Der (Kühl-)Standort am Rhein im Osten Frankreichs spräche aus Sicht des fast bankrotten französischen Energieversorgers durchaus für ein neues AKW in Fessenheim, wenn Klimawandel und sinkende Rheinwasserstände hier nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Die Gefahren neuer Atomreaktoren, die Erdbebengefahr im Rheingraben, die enormen Kosten und der zu erwartende massive trinationale Protest an diesem Standort sprechen gegen ein neues AKW. Wer eine alte-neue Hochrisikotechnologie politisch durchsetzen will und aus den massiven Protesten in Wyhl, Fessenheim, Plogoff und Mallville gelernt hat, baut nicht in einer Protestregion.

Der einzige Europäische Druckwasserreaktor (EPR), der aktuell in Frankreich überhaupt gebaut wird, geht frühestens 2024 ans Netz - mit zwölf Jahren Verspätung und er wird nahezu sechsmal so teuer wie geplant. Rentabel arbeiten wird er nie. Die beiden in China gebauten EPR zerlegen sich gerade. Die Geschichte der französischen Atomkraft ist keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Geschichte von Schulden, Pleiten, Pech und Pannen. Das sagt nicht nur die Umweltbewegung, sondern auch der langfristige Aktienkurs der EDF. Die Schulden der französischen Atomwirtschaft und zunehmend marode AKW drohen den Staat in den finanziellen Ruin zu treiben.

Die internationale Atomlobby war nach den vielen Opfern der "zivilen" Nutzung der Atomkraft, nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie nicht. In Frankreich ist das "atomare Dorf", -die alten mächtigen Seilschaften aus Konzernen, Lobbyisten, Technokraten und Atomparteien- sehr lebendig und eng mit der Atomstreitmacht, der Force de frappe verbunden.

Der Europäische Druckwasserreaktor EPR undneue kleine Thorium-Reaktoren bringen neue Gefahren und Atommüll, der eine Million Jahre strahlt. Mit dem vorgeschobenen Klimaschutz-Argument werden nicht nur in Frankreich gefährliche neue Atomkraftwerke grüngewaschen. Warum setzen Technokraten wie Herr Macron auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie, wo es doch kostengünstige, umweltfreundliche, arbeitsplätzeschaffende Alternativen gibt, aus denen sich keine Atombomben bauen lassen? Woher kommt diese Unfähigkeit der Politik, aus alten Fehlern zu lernen? Hinter dem Traum der erneuerten Atomkraft steht die verzweifelte Hoffnung auf ein verschwenderisches und zerstörerisches weiter so, ein weiter so mit Überkonsum, Rohstoffverschwendung, Artenausrottung und auch mit zukünftigen Atomwaffen.

Eine rechtspopulistische französische Regierung wäre auch aus Liebe am Streit mit Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit für den Bau eines neuen AKWs in Fessenheim. Ein wirtschaftsliberaler Präsident wie Herr Macron sollte zumindest rechnen können...

Was wir dem entgegensetzen können und sollen ist eine Fortsetzung der guten, erfolgreichen, trinationalen Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. Ein Europa der Menschen, das wir seit bald 50 Jahren, seit den frühen Protesten in Marckolsheim,Wyhl und Kaiseraugst, praktizieren.

  • Axel Mayer, Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband TRAS, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt)BUND-Geschäftsführer am Oberrhein
  • Claude Ledergerber, Vizepräsident Association Trinationale de Protection Nucléaire, Comité pour la Sauvegarde de Fessenheim et de la Plaine du Rhin

Montag, 27 Dezember 2021 16:27

Das VERRÜCKTE Technocentre-Projekt in Fessenheim

geschrieben von

Der Verweigerung der elsässischen Abgeordneten 2010 erfuhren die elsässischen Atomkraftgegner, dass die deutschen Unternehmer des Gewerbeparks Bremgarten diesen gern erweitern wollten.

Da letzteren dazu jedoch sowohl Grundstücke als auch Arbeitskräfte fehlten, wünschten sie, gegenüber linksseitig des Rheins, also direkt neben Fessenheim einen deutsch-französischen Gewerbepark zu errichten.

Im Zusammenhang mit der angekündigten Stilllegung des Atomkraftwerks und deren unvermeidlichen Auswirkungen auf Arbeitsplätze war das eine hervorragende Gelegenheit, die zu ergreifen war. Auch haben die Antiatom-Vereinigungen verschiedene Abgeordnete der (Anm: elsässischen) Region um Fessenheim darauf angesprochen. Leider haben diese regionalen Politiker sich verweigert: Sie blendeten die unvermeidliche Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim kategorisch aus, weil sie nur kurzfristig dachten, und haben zurückgewiesen, die Machbarkeit eines solchen binationalen Gewerbeparks zu prüfen. Nur ein einziger Abgeordneter des „Haut-Rhin“ folgte der Einladung von „Stop Fessenheim“: er traf sich mit deutschen Unternehmern und war am Ende des Treffens auch von dem Projekt überzeugt. Aber auch er schaffte es nicht, die Abgeordneten aus dem Umfeld Fessenheims dafür zu gewinnen, da jene es vorzogen, sich mit einer parteiischen Logik zu verschanzen. Daraufhin haben die Vereine das Projekt „deutsch-französischer Gewerbepark“ und auch andere Vorschläge für die sozio-ökonomische Zukunft des Gebiets ausgearbeitet und dem Präsidenten der Republik vorgelegt.

Als Francis Rol-Tanguy zum interministeriellen Beauftragten für die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim und die Umwandlung des Standortes ernannt wurde, haben die Atomkraftgegner ihm die Vorschläge in allen Einzelheiten erläutert. Und trotzdem hat sich wieder nichts weiterbewegt! Die Aufnahme ins „Projet de Territoire“ (Raumprojekt) von Fessenheim In einer Sitzung in der Präfektur des „Haut-Rhin“ am 19.01.2018 wurden die Atomkraftgegner endlich von Martin Guespéreau angehört, dem Stabschef von Sébastien Lecornu (Anm.: Staatssekretär des damaligen Umweltministers Nicolas Hulot). Seitdem gelang es den Regierungsverantwortlichen, die Berücksichtigung dieses deutsch-französischen Gewerbeparks im Begleitausschuss durchzusetzen: in Bremgarten fand eine Besichtigung staatlicherseits statt. Und die Perspektive eines deutsch-französischen Gewerbeparks wurde in das sehr offizielle (Anm.: grenzüberschreitende) „Projet de Territoire“ (Raumprojekt) zu Fessenheim aufgenommen.

 

Ein Schulungs-Labor für den Rückbau

Der Rückbau des Atomkraftwerks Fessenheim ist notwendig, weil es in einer Erdbebenzone und auch 8,50 m unterhalb des Rhein-Seiten-Kanals liegt. Der Rückbau des Atomkraftwerks Fessenheim ist notwendig, weil es in einer Erdbebenzone und auch 8,50 m unterhalb des Rhein-Seiten-Kanals liegt. Nicht alle Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass man Atomkraftwerke zurückbauen sollte. Denn das Zerkleinern der Bauteile setzt zahlreiche radioaktive Partikel frei und erhöht so die Risiken.

Andere bevorzugen eine unterirdische Lagerung am Standort. Dann müsste vor allem die Bevölkerung (jene, die mehrere Jahrzehnte lang vom Geldsegen profitierte) in der Nachbarschaft von Atomanlagen weiterleben, für immer verstrahlt... Aber in Fessenheim steht das Atomkraftwerk in einer besonderen Erbebenzone und liegt 8,50 m unter dem Niveau des Rhein-Seiten-Kanals (Grand Canal d’Alsace). Von diesem ist es nur durch einen Deich getrennt, dessen Festigkeit über mehrere Jahrhunderte niemand garantieren kann. Wenn sich eine Atommülllagerung unter der Erdoberfläche verbietet, ist der Rückbau erforderlich

JA zur Rückbau-Laborschule

• damit die Nahregion für mehrere Jahrzehnte an
den Arbeitsplätzen teilhat
• um den Standort Fessenheim so gut wie möglich
zu dekontaminieren
• um für die so sehr erwartete Energiewende ein
starkes politisches Zeichen zu setzen
• um Fachleute auszubilden, die möglichst risikoarm
arbeiten
• um Verfahren zu entwickeln, die für den Atomausstieg unentbehrlich sind
• um die physikalischen Veränderungen des Stahls
nach über 40-jährigem Neutronenbeschuss zu
beob achten und zu messen und den tatsächlichen
Sprödbruch-Punkt festzustellen
• um die wahre Höhe der Kosten für den Rückbau
der Reaktoren (Serie 900 MW) zu beziffern und in
der Folge vom Betreiber (Anm.: EDF) zu verlangen,
die finanziellen Rücklagen dazu anzupassen

• und um das Elsass schließlich endgültig von der
Atomenergie zu befreien.

Kein laufender Rückbau kann für den französischen Atomkraftpark so repräsentativ sein wie der von Fessenheim.

In Frankreich sind bisher nur einige ganz kleine Reaktoren (wie z.B. derjenige der Universität Strasbourg) komplett zurückgebaut worden. Die anderen begonnenen Rückbau-Arbeiten ziehen sich quasi ewig hin (denn die Technologien sind nicht mehr aktuell) und sind nicht repräsentativ für den heutigen Atomkraftpark:

  • Brennilis hat einen Gas-Schwerwasser-Reaktor (HWGCR). Sein 1985 begonnener Rückbau wird sich noch lange hinziehen!
  • Bei Chinon A1-A2-A3 und Bugey 1 handelt es sich um 4 Graphit-Gas-Reaktoren (UNGG).
  • Beim Super-Phénix ist es ein Natrium-gekühlter Schneller Brüter (RNR).
  • Und selbst der Druckwasserreaktor von Chooz A (in den Ardennen, REP - PWR) ist nicht wirklich repräsentativ, weil er in einer Kaverne liegt und mit seinen 305 MW deutlich kleiner ist als alle anderen Reaktoren (880 MW bis 1450 MW). Es ist also daher klar, dass das Atomkraftwerk Fessenheim, Prototyp als Druckwasserreaktor (PWR) und als erster zur Abschaltung vorgesehen, der KraftwerksPrototyp für den Rückbau werden könnte ... zum damit Schule machen! Auf der Grundlage dieser Feststellung haben unsere Vereinigungen schon 2011 der Regierung vorgeschlagen, Fessenheim zur Rückbau-Laborschule zu machen.

 >>> weiter lesen

Hinweis der deutschen Mitherausgeber:

Das geplante Technocentre würde radioaktive Abluft und Abwässer in die Umgebung abgeben und somit auch die deutsche Seite belasten. Es gilt also "Wachsam bleiben"
gemeinsam mit den Organisationen aus dem Elsass. Bitte sich informieren
bei den Vereinigungen. Gedruckte Fassungen der Broschüre ggf. gegen Unkostenbeitrag, solange vorrätig. Spenden sind erbeten für alle hierunten genannten Vereinigungen, Konto: siehe Webseiten

 

Diese Broschüre ist eine Übersetzung des französischen Originals, letzteres veröffentlicht von CSFR Comité de Sauvegarde de Fessenheim et dela Plaine du Rhin, Stop Fessenheim, Alsace Nature und Stop Transports Halte au nucléaire,

Kontakt: www.stop-fessenheim.org.

Vorlage: Franck
Dautel und André Hatz, 2019. Zu den Abbildungsrechten auf Nachfrage.

Übersetzung ins Deutsche:
Helma Hein, Dr. Georg Löser, Ilse Martin.
Redaktion der deutschen Fassung:
Dr. Georg Löser.
Satz der deutschen Fassung:
Klaus-Dieter Käser (office-care.ch)

 

Mitherausgeber der deutschen Fassung (2021):

ECOtrinova e.V., bei Treffpunkt Freiburg e.V., Schwabentorring 2, 79098 Freiburg, ecotrinova.de

ideell mit

 

Seite 1 von 3