Anti-Atom

Anti-Atom (13)

In der Straßburger Innenstadt haben am Mittwoch französische und deutsche Umweltaktivisten protestiert.

Sie kritisieren, dass die EU Atomkraft und Erdgas als nachhaltige Technologien einstuft.

Der grenzüberschreitende Protest sorgte in der Straßburger Innenstadt für Aufsehen: Umweltschützer in weißen Schutzanzügen kippten symbolisch eine gift-grüne Flüssigkeit über gelbe Atommüll- und rote Gasfässer und zündeten zugleich grüne Rauchbomben. Auf zahlreichen Fahnen und Bannern waren auch deutsche Protestsprüche zu sehen. Die Aktion, an der auch der BUND Südlicher Oberrhein beteiligt war, richtete sich gegen die Europäische Union. Diese will zukünftig Atomkraft und fossiles Gas als nachhaltige Technologien einstufen.

 

 

Anlass des Protests in Straßburg ist der Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der Grenzstadt. Macron sprach am Mittwoch vor dem Europäischen Parlament, wo er seine Pläne für den Ratsvorsitz in den kommenden sechs Monaten bekannt geben will.

Macron wird von den Klimaschützern verantwortlich dafür gemacht, dass Atomkraft als nachhaltig eingestuft werden soll. Der französische Präsident hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für Atomkraft stark gemacht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren das Vorhaben scharf. Atomkraft würde die Klimakrise verschärfen.

Dienstag, 18 Januar 2022 11:34

Jochen Stay ist tot

Hamburg, den 18.01.2022

Am Wochenende hat uns völlig überraschend die Nachricht erreicht: Unser Freund, Mitstreiter und Kollege Jochen Stay ist tot. Jochen war Mitgründer, Geschäftsführer und Sprecher von .ausgestrahlt sowie Vorstandsmitglied der von .ausgestrahlt initiierten Stiftung Atomerbe.

Wir sind zutiefst traurig und erschüttert. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, die sich Raum zum Trauern wünscht. Jochen hat nicht nur Spuren in Mutlangen, Wackersdorf und Gorleben hinterlassen, sondern vor allem auch in den Herzen seiner Familie und Wegbegleiter*innen.  

Jochens Tod ist nicht nur für .ausgestrahlt ein immenser Verlust. Sein Wirken hat die Anti-Atom-Bewegung seit den 1980er-Jahren mitgeprägt und zu vielen ihrer Erfolge maßgeblich beigetragen. Auch zahlreiche andere Bewegungen und Kampagnen profitierten von Jochens Erfahrung und Rat.

2008, als der „Spiegel“ auf dem Titelbild die Anti-Atom-Sonne untergehen ließ, gründete Jochen mit einer Handvoll Mitstreiter*innen die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, die Hunderttausenden Atomkraftgegner*innen eine Stimme verlieh und den Widerstand gegen Atomkraft wieder sichtbar machte. Anti-Atom-Sonnen, Unterschriftensammlungen und Großdemos machten den Anfang. Und wir fassten ein kühnes Ziel: Den Betrieb der AKW nicht nur kritisch zu begleiten, sondern sie tatsächlich abzuschalten. Unrealistisch? Nicht in Jochens Augen. Denn er wusste: Wo Konflikt ist, können wir auch Einfluss nehmen. Und der Dissens um Atomkraft, der die ganze Gesellschaft spaltete, lag offen wie lange nicht mehr. Jochen hatte die Idee, die schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen 2009 zu „belagern“. Wochenlang beherrschten die Anti-Atom-Proteste die Berichterstattung aus dem politischen Berlin. Und während Union und FDP an der Laufzeitverlängerung der AKW feilten, erweiterte Jochen das Repertoire der Anti-Atom-Bewegung um die einst gegen Pershing-Raketen erprobte Protestform der Menschenkette. 120 Kilometer, so seine Vision, vom AKW Brunsbüttel bis zum Pannenmeiler Krümmel. Manch große Umweltorganisation riet ob der Gefahr des Scheiterns eindringlich ab. Jochens Zugkraft und Überzeugung aber riss genug andere mit. Am 24. April 2010 formierten sich 120.000 Menschen entlang der Elbe zum längsten Anti-AKW-Protest in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Laufzeitverlängerung verhinderte das zunächst zwar nicht. Das Protestfass aber war voll bis an den Rand. Der Super-GAU von Fukushima brachte es zum Überlaufen – und der nachfolgende Protest Hunderttausender läutete Merkels Atom-Wende ein. Fast die Hälfte der damals noch laufenden AKW ging sofort vom Netz.

Auch der Protest gegen ein Atommüll-Lager im Gorlebener Salzstock, den Jochen jahrzehntelang mit prägte, führte 2020 zum Erfolg. Das hielt Jochen nicht davon ab, den Finger weiter in die Atommüll-Wunde zu legen: Niemand konnte die Defizite und falschen Versprechungen des laufenden Standortsuchverfahrens präziser benennen als er.

Jochens Sachverstand und seine Begeisterungsfähigkeit werden uns fehlen, genau wie sein Dickkopf und seine Überzeugungskraft, seine Klarheit, sein Einsatz, seine Verantwortungsbereitschaft und sein großes Herz. Sein meist untrügliches Gespür für politische Gelegenheiten. Und seine immense Erfahrung, wie Protest erfolgreich Einfluss auf politische Konflikte nehmen kann.

Noch am Freitag haben wir mit Jochen zusammen die .ausgestrahlt-Themen und ‑Aktionen der nächsten Monate geplant. Gemeinsam haben wir die Weichen für die Neuausrichtung von .ausgestrahlt gestellt, die mit dem Abschalten der letzten AKW Ende 2022 ansteht. Auf diesen historischen Erfolg, das Aus der letzten drei von einst 36 AKW, hat Jochen über Jahrzehnte hingearbeitet, die letzten 14 Jahre zusammen mit .ausgestrahlt. Dass er diesen Moment nun nicht mehr erleben und mit uns feiern kann, trifft uns mehr als schmerzvoll.

Jochen war sich bewusst, dass seine bestehende Herzerkrankung sein Leben irgendwann abrupt beenden könnte. Von Plänen und Projekten hielt ihn dies nicht ab. Am Samstag, den 15. Januar 2022, ist er im Alter von 56 Jahren plötzlich und viel zu früh gestorben.

Die Lücke, die Jochens Tod reißt, ist groß, auch bei .ausgestrahlt. Aber .ausgestrahlt hat stets davon profitiert, dass es auf vielen Schultern ruht und alle, Mitarbeiter*innen wie Ehrenamtliche, ihr Engagement und ihre Kompetenzen einbringen. Das werden wir auch weiterhin tun: .ausgestrahlt wird seine Anti-Atom-Arbeit – auch im Sinne Jochens – weiterführen. Selbst nach dem Abschalten der letzten AKW Ende des Jahres bleibt da jede Menge zu tun, vom Umgang mit dem Müll bis zu den noch laufenden Atomfabriken, von der atomfreundlichen EU-Taxonomie bis zum Wiederaufflackern irrer Atom-Träume unter dem Deckmantel angeblichen Klimaschutzes.

Daneben gilt es, die Errungenschaften und Erfolge der Anti-Atom-Bewegung, die weit über das Atom-Thema hinausstrahlen, zu sichern und als das zu benennen, was sie sind: Der Beweis, dass es sich lohnt, selbst für zunächst utopisch erscheinende Ziele zu kämpfen. Der Beweis, dass, wenn sich die scheinbar Ohnmächtigen zusammenschließen und sich wehren, es die scheinbar Mächtigen unendlich schwer haben, ihre Pläne durchzusetzen. Das war einer von Jochens Lieblingssätzen. Wir werden ihn nicht vergessen.

 
Die Trauerfeier und Beisetzung von Jochen finden im engsten Kreis statt. Daneben wird es vor Ostern einen öffentlichen, Jochen-gemäßen Abschied geben, den .ausgestrahlt mit vorbereitet. Näheres dazu werden wir rechtzeitig bekanntgeben. Auf dieser Seite findest Du Ende nächster Woche noch einen ausführlicheren Nachruf.
 

Darüber hinaus wollen wir Erinnerungen an, Erlebnisse mit und Gedanken zu Jochen zusammentragen und ggf. auch öffentlich teilen. Möchtest Du daran mitwirken, schicke Deinen Beitrag gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Bitte schreib jeweils dazu, ob wir ihn – ggf. mit Namen oder anonym – veröffentlichen dürfen oder nicht.

Drei Organisationen war Jochen besonders verbunden. Spenden an diese wären in Jochens Sinn:

Die Arbeit der Stiftung Atomerbe kannst Du hier mit einer Spende unterstützen

Atomkraft und fossiles Gas sollen von der EU ein Öko-Label als „nachhaltige“ Technologien erhalten! Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Beschlussvorlage in den nächsten Wochen verabschiedet wird. Einer der Hauptverantwortlichen für diesen Skandal ist der französische Präsident Emmanuel Macron, der am 19. Januar im EU-Parlament in Straßburg sein wird, um den Ratsvorsitz zu übernehmen.

BUND Baden-Württemberg und BUND Südlicher Oberrhein rufen zusammen mit deutschen und französischen Organisationen (.ausgestrahlt, Sortir du Nucléaire, Stop Fessenheim, EWS Schönau, Mahnwache Breisach, Koala-Kollektiv u.a.) zu einer bunten Protestaktion in Straßburg auf:

WANN: am Mittwoch, den 19. Januar um 10 Uhr
WO: Der genaue Ort der Aktion wird gerade mit den Behörden geklärt. Sobald er feststeht, wird er hier im Termin ergänzt.

Diese Aktion ist geplant: Mehrere Menschen in weißen Schutzanzügen mit schwarzen Gasmasken übergießen gelbe Atommüll- und rote Gas-Fässer mit giftgrüner Farbe, um das Greenwashing zu symbolisieren.
Unser Protest zeigt, dass die Taxonomie in dieser Form nicht akzeptabel ist. Lasst uns gemeinsam dem EU-Parlament deutlich machen, dass wir diesen Wahnsinn nicht widerspruchslos hinnehmen! Wir freuen uns über alle, die mitprotestieren!

Kontakt vor Ort für BUND-Aktive:

Stefan Auchter, BUND Südlicher Oberrhein, 0761/4014413

 

Mehr Informationen

Kommt zahlreich, bringt Eure BUND-Fahnen mit, achtet auf Abstände und tragt FFP2 Masken.

Bitte beachtet auch die aktuellen Einreisebestimmungen für Frankreich (für vollständig Geimpfte gibt es derzeit keine Beschränkungen): https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/frankreichsicherheit/209524

Wenn ihr vorhabt, an der Aktion teilzunehmen,  schickt bitte eine kurze E-Mail (Betreff genügt: „Ich bin am 19.1. dabei“) an aktion(at)bund-bawue.de  – wir informieren euch dann bis Montag, 17.1., 18 Uhr, wo der Treffpunkt sein wird. Im Moment steht dieser leider noch nicht fest.

 

Termindetails

Startdatum:

19. Januar 2022

Enddatum:

19. Januar 2022

Uhrzeit:

10:00 Uhr

Ort:

Der genaue Ort der Aktion wird gerade mit den Behörden geklärt. Sobald er feststeht, wird er hier im Termin ergänzt.

Veranstalter:

 

BUND Südlicher Oberrhein, BUND Baden-Württemberg, .ausgestrahlt, Sortir du Nucléaire, Stop Fessenheim, EWS Schönau, Mahnwache Breisach, Koala-Kollektiv u.

Von dpa

Das höchste französische Verwaltungsgericht hat die Endlagerung von giftigem Müll in der elsässischen Untertagedeponie Stocamine gestoppt. Nun müssen die Abfälle geborgen werden.

Das höchste französische Verwaltungsgericht hat die Endlagerung von giftigem Müll in der umstrittenen elsässischen Untertagedeponie Stocamine gestoppt. Nach der Klage von 60 Politikern und der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass erklärte der Verwaltungsrat in Paris die Pläne, die Abfälle auf Dauer in der ehemaligen Mine zu belassen, am Mittwoch für nichtig.

In der Deponie Stocamine in Wittelsheim nahe Mulhouse wurde seit 1999 gegen den Protest von Umweltschützern und Bürgerinitiativen Giftmüll wie Zyankali, Arsen und Quecksilber gelagert. 2002 brach in 535 Metern Tiefe ein Feuer aus, das erst nach Tagen gelöscht werden konnte. Seither ist die Anlage geschlossen.

42.000 Tonnen Giftmüll lagern in der Deponie


Die Deponie war auf bis zu 320 000 Tonnen giftigen Mülls ausgelegt. Zuletzt befanden sich knapp 42 000 Tonnen Müll darin. Umweltschützer fürchten, dass aus der Mine Giftstoffe ins Grundwasser gelangen. Die Präfektur hatte stets argumentiert, es sei riskanter, die Abfälle zu bergen, als sie unterirdisch abzuschirmen.

Die Europäische Gebietskörperschaft Elsass rief den Staat nach dem Gerichtsentscheid am Mittwoch auf, gemeinsam nach einer von allen getragenen Lösung zu suchen. Es gehe darum, industrielle Verfahren zur Verarbeitung der Abfälle zu finden.

Von Andreas Wilkens
 
In der Schweiz wird überlegt, wegen möglichen Unsicherheiten in der Stromversorgung die dortigen AKW länger laufen zu lassen.
Die Atomkraftwerke in der Schweiz könnten eine Laufzeit von 60 Jahren bekommen, um einer möglichen Stromknappheit zu entgehen. Hintergrund ist der zwischen der EU und der Schweiz gescheiterte Rahmenvertrag; dadurch könnten auch auf dem Feld der Stromlieferungen keine Abkommen geschlossen werden und es zu Engpässen kommen, berichtet die NZZ am Sonntag. Daher habe die Schweizer Regierung Gespräche mit den AKW-Betreibern über die Laufzeiten aufgenommen.
 

Mit einer längeren Laufzeit wäre die Schweiz weniger von Importen abhängig, außerdem hätte sie mehr Zeit für den Aufbau alternativer Energien. Daher lote der Bund unter den AKW-Betreiber aus, wie ihre Pläne aussehen, berichtet die Nachrichtenagentur AWP. Beznau-Betreiberin Axpo habe bereits vor einiger Zeit signalisiert, dass die Anlage länger laufen soll, solange sie sicher und wirtschaftlich sei. Für das AKW Gösgen sei früher ebenfalls von einem Betrieb von mindestens 60 Jahren ausgegangen worden.

Momentan sind in der Schweiz noch vier Atomreaktoren in Betrieb. Die zwei in Beznau laufen seit 52 und 49 Jahren, in Gösgen seit 42 und in Leibstadt seit 37 Jahren. 2017 stimmte das Schweizer Volk dafür, keine neuen AKW mehr zu bauen.

Für die vier Atomkraftwerke gibt es keine gesetzliche Laufzeitbeschränkung. Sie dürfen weiter betrieben werden, solange die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt sind. Diese werden vom Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) überwacht. Seit der Neuausrichtung der Schweizer Energiepolitik im Jahre 2011 wurden für Versorungsszenarien bereits Laufzeiten von 50 oder 60 Jahren berücksichtigt.

Die Schweiz ist nicht Mitglied der EU, aber über bilaterale Verträge eingebunden. Das angestrebte war im Mai nach sieben Jahren Verhandlungen gescheitert, nachdem der Schweizer Bundesrat die Verhandlungen abgebrochen hatte. Die deutsche Bundesregierung setzt sich dafür ein, das AKW Beznau möglichst schnell abzuschalten.

(Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Von Ruth Seitz

 

Sie waren in Stein gemeißelter Ausdruck des Widerstands gegen das AKW Wyhl. Pünktlich zum ersten Jahrestag der Abschaltung des AKW Fessenheim bekommt ein alter Gedenkstein nun einen neuen Platz.

Sie stehen am Straßenrand, an Rainen oder in Gärten, zugewuchert, vergessen, nicht mehr beachtet – und doch sind die Gedenksteine, die an den Widerstand gegen das einst in Wyhl geplante Atomkraftwerk erinnern wichtige Zeitzeugnisse. Christoph Gurlitt von der Mahnwache in Endingen hat sich auf die Suche gemacht und vor geraumer Zeit einen solchen Gedenkstein zwischen Endingen und Bahlingen am Straßenrand beim "Silberbrunnen" gefunden.

Neues Zuhause für Gedenkstein aus Sasbach


Jetzt ist ein weiterer Gedenkstein aufgetaucht. Er steht in einem Garten in Sasbach und wird am Dienstag, 29. Juni, umgelagert und am Fahrradweg in Königschaffhausen in Richtung Wyhl neu aufgestellt. Der Stein braucht ein neues "Zuhause", weil das Haus in Sasbach verkauft wird, die Familie den Gedenkstein aber der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Alle, die bei der Aktion dabei sein wollen, treffen sich am Dienstag um 18 Uhr am Rathaus in Sasbach, um den Stein gemeinsam abzuholen. Er wird dann mit dem Traktor nach Königschaffhausen gebracht. Die Veranstaltungsteilnehmer fahren mit Fahrrädern, Rollern oder Skateboards hinterher. Die Veranstaltung findet auch bei Regen statt.

Ein Zeitzeuge berichtet


Mit von der Partie ist am Dienstag auch Klaus Pleuler aus Emmendingen. Auf seinem Grundstück steht auch ein solcher Stein. Pleuler wird auch berichteten, welchen Einfluss die Auseinandersetzung um das Atomkraftwerk Wyhl auf sein Leben gehabt hat.

"Tausend Ideen", um den Widerstand kundzutun


Für Axel Mayer, den langjährigen BUND-Vorsitzenden, sind die Gedenksteine ebenfalls wichtige Zeugnisse, die an die Auseinandersetzungen von damals erinnern. "Da waren damals tausende von Leuten, die tausend Ideen hatten, ihren Widerstand kundzutun", betont er. Die einen wollten ein freies Radio gründen (Radio Dreyeckland), andere wollten den Rechtsweg beschreiten, wieder andere den Platz besetzen. Leopold Keller aus Lenzkirch im Schwarzwald habe seinen eigenen Weg gewählt und seinen Widerstand gegen Kernkraftwerke mit den Gedenksteinen kundgetan. Dies sei seine Art des Widerstands gewesen, betont Axel Mayer.

Etliche Steine sind nicht mehr auffindbar


Auf den Gedenksteinen stehen unter anderem auch die Namen all derer, die sich für das Atomkraftwerk in Wyhl und die Nutzung der Kernenergie ausgesprochen hatten. Vermutlich habe dies dazu beigetragen, so Mayer, dass etliche der Steine verschwunden und nicht mehr auffindbar sind. Leopold Keller hat seinen Widerstand auch an anderen Kernkraftwerken mit Gedenksteinen deutlich gemacht.

Symbolträchtiges Datum für den Umzug


Die Verlegung des Gedenksteins findet übrigens pünktlich zum ersten Jahrestag der kompletten Abschaltung des Atomkraftwerks in Fessenheim statt. Reaktor 1 wurde am 22. Februar 2020 abgeschaltet, Reaktor 2 am 29. Juni 2020.

Informationen zum Rückbau in Fessenheim


Am Mittwoch, 30. Juni, findet um 18.30 Uhr dann die alljährliche Mahnwache in Endingen statt. Zusammen mit dem BUND wird die Endinger Mahnwache den Rückbau des Kernkraftwerks in Fessenheim aufmerksam begleiten. Zu Gast in Endingen wird der BUND-Geschäftsführer Stefan Auchter sein, der auch Mitglied in der Rückbau-Kommission ist. Auchter wird über den derzeitigen Stand der Arbeiten und den Rückbau der Brennelemente informieren.

 

 

#AlleFür1Komma5 – globaler Klimastreik am 19. März 2021

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In Zeiten einer globaler Pandemie ist es uns an vielen Stellen nicht möglich gemeinsam auf die Straße zu gehen, trotzdem wollen wir präsent sein. Bestelle jetzt kostenlos Sprühkreide, um den Klimastreik am in Deine Straße und Deine Nachbarschaft zu bringen. 

Es ist möglich der Klimakrise entschieden entgegenzutreten, statt sich von ihr verschrecken zu lassen. Daran möchten wir am 19.03. überall erinnern. Statt Menschenmassen nutzen wir bunte Schriftzüge und Gemälde, um die Klimakrise, aber auch der solidarische Weg aus der Krise, überall zu platzieren. Wir schicken Dir Farbe, Schablonen und eine Anleitung sowie Inspiration und Tipps, um Deine Botschaft auf die Straße zu bringen – und das völlig kostenlos!

Deswegen bist Du jetzt gefragt! Wenn wir in jeder Straße in jeder Stadt sind, können am 19.03. alle sehen: Another Word Is Possible. 

Du möchtest den Klimaaktionstag in deine Nachbarschaft holen?

So kannst Du dabei sein:

  1. Sprühkreide bestellen
  2. Am 19.03. und den Tagen davor in Deiner Straße einen großen Schriftzug malen
  3. Fotos davon machen, auf unserer Karte am 19.03. hochladen und auf Social Media verbreiten mit HashTags: #AlleFür1Komma5 und #NoMoreEmptyPromises

Hinweis: 

Die Sprühkreide ist nicht toxisch und Wasserlöslich

Fridays for Future entstehen Kosten von circa €7,50 Pro Paket. 


Von Gerhard Walser

Die Katastrophe von Fukushima im März 2011 hat der Anti-Akw-Bewegung kräftigen Aufwind gegeben. Drei Männer, die einst gegen das geplante Kraftwerk in Wyhl protestierten, blicken zurück.

  • Der Reaktorunfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima vor zehn Jahren hat auch den regionalen Protest gegen die Kernkraft verstärkt und ein Umdenken eingeleitet. Die Wyhl-Veteranen Günter Richter, Erhard Schulz und Axel Mayer erinnern sich daran, wie sie die Reaktorkatastrophe selbst erlebt haben und welche Konsequenzen daraus für den Atomausstieg und die Energie- und Klimapolitik gezogen wurden.
 
BZ: Wie und wo haben Sie den Unfall in Fukushima am 11. März 2011 erlebt?
Mayer: Mitten in der Endplanung der 45 Kilometer langen Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart. Der von CDU, CSU und FDP geplante Ausstieg aus dem versprochenen Atomausstieg hatte bundesweit die Umweltbewegung aktiviert. Und dann kam noch Fukushima. In einer Hochphase der Mobilisierung verstärkte der Atomunfall unsere Aktivitäten.
Der Ökumenische Gedenkgottesdienst am Ostersonntag wurde umgehend ergänzt: Fukushima/Japan – Die radioaktiven Folgen bedrohen die Schöpfung. Gedenken Sie mit uns der Opfer. Das Kreuz mit der Inschrift "Wo die Schöpfung gefährdet wird, wird Gott gekreuzigt" vom ehemals geplanten Bauplatz in Wyhl wurde in das Freiburger Münster getragen.
Richter: Wir waren in jenen Tagen zu einer einwöchigen Visite auf Zypern. Wir hatten ein kleines hübsches Zimmer in einem Hotel mit TV und gemütlicher Sofaecke. Plötzlich sahen wir nach dem Frühstück die Eilmeldung vom verheerenden Tsunami, der sich breit in die küstennahe Landschaft von Fukushima hineinzufressen schien und – wie wir später erfuhren – zehntausenden Menschen das Leben nahm und die verheerende Kernschmelze im Reaktor verursachte. Schockiert und fassungslos saßen wir in unseren Sesseln und konnten nicht glauben, was wir da sahen.

BZ: Was kam Ihnen damals spontan in den Sinn – etwa: Ist das jetzt Ende der Kernkraft?
Mayer: Ich dachte: die armen Menschen. Hoffentlich weht der Wind die Radioaktivität der ersten Tage aufs Meer und nicht in den 240 Kilometer entfernten Großraum Tokio mit seinen 38 Millionen Menschen. Dass es dann tatsächlich so kam, war das große Glück im Unglück.

Schulz: Ich kann mich deshalb noch gut erinnern, weil ich genau in dieser Zeit für die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Freiburg eine große Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Atomreaktorunfalls in Tschernobyl für Ostermontag im Freiburger Münster organisierte. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in der Region Fukushima berührte mich sehr stark, da ich häufig in Japan zu Vorträgen über die Nutzung regenerativer Energien weilte. In dem hochtechnisierten Japan, wo ich während meiner Aufenthalte auch häufig Erdbeben erlebte, empfand ich es als kaum vorstellbar, dass eine Tsunami-Welle zu einer Zerstörung eines Atomkraftwerkes und der Freisetzung von großen Mengen an Radioaktivität in die Umwelt erfolgen kann.
Schulz: Wir müssen diese leidvolle Katastrophe in Japan sowohl in den Ökumenischen Gedenkgottesdienst einbeziehen, aber auch in das Bewusstsein unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland unauslöschbar verankern, dass die lebensgefährdende Atomenergie keine Zukunftschance hat. Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurde uns in Deutschland wohl der Atomenergie-Ausstieg halbherzig in Aussicht gestellt, aber blieb in weiter Ferne. Die Fukushima-Katastrophe ereignete sich nun aber in einem hochindustrialisierten westlichen Land. Die Politik muss umgehend den Atomausstieg fixieren, denn es gibt keine Ausreden mehr.

Richter: Hinsichtlich dieser Folgen halte ich eine atomare Energiegewinnung geradezu für unverantwortlich und im Widerspruch zum biblischen Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren. Man kann unseren politischen Instanzen, unter anderem der Bundeskanzlerin, nicht genug dankbar sein, wie sie auf die Katastrophe reagierten und den Ausstieg aus der atomaren Energieerzeugung einleiteten.
 
  • Günter Richter (87) ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und lebt in Emmendingen. Er hat als Weisweiler Pfarrer den Konflikt um das geplante Atomkraftwerk Wyhl mit befriedet.
    Axel Mayer, Kreisrat der Grünen aus Endingen, wurde 1955 geboren und ist seit der Bauplatzbesetzung gegen ein Bleichemiewerk in Marckolsheim 1974 in der grenzüberschreitenden Umweltschutzbewegung aktiv.
    Erhard Schulz (76) aus Emmendingen ist Mitglied im Sprecherkreis der Badische-Elsässischen Bürgerinitiativen und hat die Platzbesetzung in Wyhl an vorderster Front erlebt. Heute engagiert er sich für die Energiewende und den Bau von Windkraftanlagen.
 
Erhard Schulz (Foto: Privat)
Günter Richter (Foto: Benedikt Sommer)
Axel Mayer (Foto: Privat)
 
BZ: Was bedeutete der Unfall in Japan für die Anti-Kernkraft-Bewegung vor Ort?
Mayer: Der Unfall bestätigte nach Tschernobyl erneut unsere alten Befürchtungen und Aussagen. Noch zur Zeit des Wyhl-Konflikts sagten die Pro-Atombroschüren des Badenwerks, dass, wenn die "Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren 20 AKW gebaut und seither betrieben hätten, es eventuell ein einziges mal zu einem solchen Unfall gekommen wäre". Es ist schrecklich, wie häufig die Umweltbewegung mit ihrer anfangs immer bekämpften und verlachten Kritik recht behalten hat.

Schulz: Mit Veranstaltungen zum tödlichen Gefährdungspotential der Atomenergie und konstruktiven Beispielen zum persönlichen Engagement in Solar- und Windenergieprojekten wurde die "Energiewende von unten" vorangetrieben. Sehr gut besuchte Informationsveranstaltungen und Fachexkursionen sorgten in der Bevölkerung für einen erfreulichen Schub bei Solardächern und Beteiligungen an Bürgerwind-Energieanlagen. Ich selbst erhielt von der Demokratischen Japanischen Ärztevereinigung zum ersten Jahrestag der Atomreaktorkatastrophe eine Einladung nach Tokio und Fukushima, sprach dort in einem Park vor 10.000 Bürgerinnen und Bürgern und hatte Gespräche mit Landwirten, deren Felder und Wälder radioaktiv kontaminiert wurden. Über diesen Erfahrungen und den in Deutschland wenig bekannten Heimatverlust vieler japanischen Familien berichtete ich in zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen.

Richter: Damit wurde verantwortliches Handeln mit der großen Chance für eine Umsetzung einer zukunftsfähigen alternativen Energiegewinnung verbunden.

BZ: Inwieweit hat Fukushima das Ende von Fessenheim beflügelt?
Mayer: Die Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima haben weltweit und regional den Protest verstärkt, ein Umdenken eingeleitet und die mächtige Atomlobby kurzfristig in die Defensive gedrängt. Neben den Alterungserscheinungen und massiven technischen Problemen in Fessenheim war der erstarkte regionale Protest, gerade auch im Elsass, ein zentraler Grund für die Abschaltung.

Schulz: Die Erdbebenkatastrophe bei Fukushima hat jetzt das gewaltige Erdbeben von Basel im Jahr 1556 voll in Erinnerung gerufen. Die gut dokumentierten historischen Berichte über die Folgen im Rheintal und das Engagement Schweizer Umweltschützer in der grenzüberschreitenden TRAS waren nun endlich das unwiederbringliche Aus für die maroden Reaktorblöcke in Fessenheim.
 
Richter: In der Gemengelage heutiger Energiediskussionen hat die atomare Energieerzeugung keine Zukunftsperspektive. Sie ist nicht nur gefährlich, sie ist auch teuer, unflexibel und zu wuchtig. Allein die Sonnen- und Windenergie decken heute schon einen Großteil des Strombedarfs. Die Lichter gehen nicht mehr aus, wenn AKW nicht gebaut oder stillgelegt werden.

BZ: Der Ausstieg aus der Kernkraft hat Konsequenzen für die Förderung alternativen Energien. Wo sehen Sie das größte Potenzial, wo gibt es Hemmnisse?
Mayer: Der große Erfolg der Umweltaktivisten am Oberrhein war nicht nur das Nein zur Atomkraft, sondern das frühe, aktive Ja zu den umweltfreundlichen Alternativen. Auch hier hat sich eine alte Hoffnung erfüllt. Strom aus Wind und Sonne ist schon lange günstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Die größten Hemmnisse sind die geschickt und verdeckt agierenden Atom- und Kohlelobbyisten, die aktiv die Energiewende, Energiespeicher und die Erneuerbaren Energien bekämpfen.

Schulz: Die Windenergienutzung kann in Deutschland mehr als 60 Prozent des Strombedarfs decken und in Baden-Württemberg wären gut 50 Prozent möglich. Die Bürger sind sehr interessiert, sich finanziell zu engagieren. Aber die Bremser sitzen auch als Beamte noch immer im Umweltministerium sowie in untergeordneten Institutionen. Mit vorgeschoben und kaum begründeten Argumenten zum Schutz von Rotmilanen, Auerhühnern oder Wespenbussarden werden Genehmigungsverfahren für Neuanlagen und Repoweringmaßnahmen in die Länge gezogen. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2020 leider nur zwölf neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen. Für den Klimaschutz ist dies ein schreckliches Fiasko. Die Landesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 100 Windenergieanlagen zu errichten.

Richter: Wichtig ist heute, wie wir auf dieser Erde das Leben lebensfähig halten. Gibt es Chancen einer verträglichen Temperatursteuerung, schaffen wir den Weg hin zu einer ausgewogenen Klimagerechtigkeit, können wir noch retten, was zu retten ist? Hier sind unsere Gedanken und Kräfte dringend gefordert. Und ganz klar: Das dürfen wir nicht der jungen Generation allein überlassen, die uns mit Recht mit ihren Fridays-for-Future-Protesten dafür auf die Anklagebank bringt.
 
BZ: Braucht es zehn Jahre nach Fukushima weiterhin Protestaktionen?
Mayer: In der Menschheitsgeschichte hat sich Vernunft nicht immer dauerhaft durchgesetzt. Fessenheim bleibt auf Jahre eine Gefahr. Und im 69 Kilometer von Emmendingen entfernten Schweizer Beznau strahlt das älteste AKW der Welt. Lobbygruppen arbeiten aktiv an der Gefahrzeitverlängerung der letzten AKW in Deutschland und Atomkraft wird mit vorgeschobenen Argumenten wieder einmal grüngewaschen. Fukushima hat gezeigt, wie gefährlich Atomkraftwerke sind. Die weltweite Verbreitung von Atomwaffen durch den Bau von AKW ist noch gefährlicher und ein globales Selbstmordprogramm. Der Kampf um Nachhaltigkeit, Frieden, Klima- und Artenschutz steht erst am Anfang. Der Atomprotest war und ist auch in Zukunft ein Teil dieser Kämpfe.

Schulz: Ja, Proteste sind weiterhin dringend notwendig, damit der trägen politischen Entscheidungsfindung Beine gemacht werden. Auch sprechen schon wieder einige Ewiggestrige von einer möglichen Renaissance der Atomenergie.

Richter: Die leidenschaftlichen Proteste gegen den weiteren Betrieb von Fessenheim verlieren ihren Sinn und ihre Notwendigkeit. Die alten Fragen hinsichtlich der Energieerzeugung der Wyhl-Zeit sind passé. Dennoch hat sich aller Einsatz gelohnt. Nun weiter so zu den neuen Fragen des Lebens, besser des Überlebens.

Von: Micha
 

Laut einer aktuellen Umfrage befürwortet die Mehrheit der Überlebenden des Reaktorunfalls in Fukushima vor 10 Jahren Japans Ausstieg aus der Atomenergie.

Etwa 30 Prozent der für die Umfrage befragten Personen befürworten einen sofortigen Ausstieg, 52 Prozent einen schrittweisen Ausstieg.

Nur geringer Prozentsatz der Überlebenden hält Atomkraft für wichtig

Die Umfrage, die im November in den drei von der Katastrophe am stärksten betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima durchgeführt wurde, ergab, dass nur 15 Prozent für den Betrieb von Atomreaktoren in Japan sind.

Aufgeschlüsselt nach Präfekturen sprachen sich 40 Prozent der Befragten in Fukushima für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie aus, mehr als 27 Prozent in Iwate und 24 Prozent in Miyagi.

Nach dem Erdbeben der Stärke 9.0 kam es infolgedessen am 11. März 2011 zu einem Tsunami, der eine Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi auslöste. Der schlimmste Atomunfall seit Tschernobyl 1986.

Einige Atomreaktoren wieder in Betrieb

Die Arbeiten am Kraftwerk erweisen sich weiterhin als schwierig und für einige Gebiete rund um das Kraftwerk gelten immer noch Evakuierungsanordnungen. Alle Atomreaktoren in Japan wurden nach der Atomkrise gestoppt, mittlerweile haben einige in den letzten Jahren den Betrieb unter strengeren Sicherheitsvorschriften wieder aufgenommen.

Die japanische Regierung strebt an, dass erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 bis zu 50-60 Prozent der gesamten Elektrizität ausmachen, während sie sich auf 30-40 Prozent aus Wärmekraft und Kernenergie stützt.

Von Thorsten Knuf

Zehn Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wollen Bundesregierung und Stromkonzerne die Altlasten des Atomausstiegs beseitigen. Ein guter Zeitpunkt, um nach vorne zu blicken.

Kommende Woche jährt sich zum zehnten Mal die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Die Vorgänge in Japan ebneten ehedem den Weg für den Atomausstieg in Deutschland. Jetzt machen sich Bundesregierung und Stromkonzerne daran, eine der letzten politischen Altlasten dieser Beschlüsse zu beseitigen. Der Staat zahlt den Kraftwerksbetreibern EnBW, Eon, RWE und Vattenfall insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Im Gegenzug ziehen die Unternehmen sämtliche Klagen gegen den Staat zurück. Es mag Zufall sein, dass die Einigung kurz vor dem Fukushima-Jahrestag zustande kommt. Unabhängig davon ist das für alle Beteiligten ein guter Zeitpunkt, um Rechtsfrieden herzustellen und nach vorn zu blicken. Der Staat hat das Gefühl, bei dem Deal recht günstig wegzukommen. Den Betrag, den er den Unternehmen überweist, ist viel geringer als die Summen, die in Rechtsstreitigkeiten zur Debatte stehen. Und die Unternehmen haben Besseres zu tun, als die Kämpfe der Vergangenheit fortzusetzen. Die letzten Meiler sollen bis Ende 2022 vom Netz gehen. Danach beginnt die lange Phase des Rückbaus.

Alle deutschen Stromkonzerne haben sich der Energiewende verschrieben. Wer beim Kunden mit grünem Strom punkten will, sollte nicht über Jahre hinweg um Atom-Milliarden feilschen.

Es gibt dennoch immer noch Leute, die von einer Renaissance der Atomkraft träumen. Das ist eine Illusion. Ein heimisches Unternehmen, das bereit wäre, erneut in diese teure, risikoreiche Technologie zu investieren, ist nicht in Sicht.

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