Anti-Atom

Anti-Atom (9)

Von Andreas Wilkens
 
In der Schweiz wird überlegt, wegen möglichen Unsicherheiten in der Stromversorgung die dortigen AKW länger laufen zu lassen.
Die Atomkraftwerke in der Schweiz könnten eine Laufzeit von 60 Jahren bekommen, um einer möglichen Stromknappheit zu entgehen. Hintergrund ist der zwischen der EU und der Schweiz gescheiterte Rahmenvertrag; dadurch könnten auch auf dem Feld der Stromlieferungen keine Abkommen geschlossen werden und es zu Engpässen kommen, berichtet die NZZ am Sonntag. Daher habe die Schweizer Regierung Gespräche mit den AKW-Betreibern über die Laufzeiten aufgenommen.
 

Mit einer längeren Laufzeit wäre die Schweiz weniger von Importen abhängig, außerdem hätte sie mehr Zeit für den Aufbau alternativer Energien. Daher lote der Bund unter den AKW-Betreiber aus, wie ihre Pläne aussehen, berichtet die Nachrichtenagentur AWP. Beznau-Betreiberin Axpo habe bereits vor einiger Zeit signalisiert, dass die Anlage länger laufen soll, solange sie sicher und wirtschaftlich sei. Für das AKW Gösgen sei früher ebenfalls von einem Betrieb von mindestens 60 Jahren ausgegangen worden.

Momentan sind in der Schweiz noch vier Atomreaktoren in Betrieb. Die zwei in Beznau laufen seit 52 und 49 Jahren, in Gösgen seit 42 und in Leibstadt seit 37 Jahren. 2017 stimmte das Schweizer Volk dafür, keine neuen AKW mehr zu bauen.

Für die vier Atomkraftwerke gibt es keine gesetzliche Laufzeitbeschränkung. Sie dürfen weiter betrieben werden, solange die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt sind. Diese werden vom Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) überwacht. Seit der Neuausrichtung der Schweizer Energiepolitik im Jahre 2011 wurden für Versorungsszenarien bereits Laufzeiten von 50 oder 60 Jahren berücksichtigt.

Die Schweiz ist nicht Mitglied der EU, aber über bilaterale Verträge eingebunden. Das angestrebte war im Mai nach sieben Jahren Verhandlungen gescheitert, nachdem der Schweizer Bundesrat die Verhandlungen abgebrochen hatte. Die deutsche Bundesregierung setzt sich dafür ein, das AKW Beznau möglichst schnell abzuschalten.

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Von Ruth Seitz

 

Sie waren in Stein gemeißelter Ausdruck des Widerstands gegen das AKW Wyhl. Pünktlich zum ersten Jahrestag der Abschaltung des AKW Fessenheim bekommt ein alter Gedenkstein nun einen neuen Platz.

Sie stehen am Straßenrand, an Rainen oder in Gärten, zugewuchert, vergessen, nicht mehr beachtet – und doch sind die Gedenksteine, die an den Widerstand gegen das einst in Wyhl geplante Atomkraftwerk erinnern wichtige Zeitzeugnisse. Christoph Gurlitt von der Mahnwache in Endingen hat sich auf die Suche gemacht und vor geraumer Zeit einen solchen Gedenkstein zwischen Endingen und Bahlingen am Straßenrand beim "Silberbrunnen" gefunden.

Neues Zuhause für Gedenkstein aus Sasbach


Jetzt ist ein weiterer Gedenkstein aufgetaucht. Er steht in einem Garten in Sasbach und wird am Dienstag, 29. Juni, umgelagert und am Fahrradweg in Königschaffhausen in Richtung Wyhl neu aufgestellt. Der Stein braucht ein neues "Zuhause", weil das Haus in Sasbach verkauft wird, die Familie den Gedenkstein aber der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Alle, die bei der Aktion dabei sein wollen, treffen sich am Dienstag um 18 Uhr am Rathaus in Sasbach, um den Stein gemeinsam abzuholen. Er wird dann mit dem Traktor nach Königschaffhausen gebracht. Die Veranstaltungsteilnehmer fahren mit Fahrrädern, Rollern oder Skateboards hinterher. Die Veranstaltung findet auch bei Regen statt.

Ein Zeitzeuge berichtet


Mit von der Partie ist am Dienstag auch Klaus Pleuler aus Emmendingen. Auf seinem Grundstück steht auch ein solcher Stein. Pleuler wird auch berichteten, welchen Einfluss die Auseinandersetzung um das Atomkraftwerk Wyhl auf sein Leben gehabt hat.

"Tausend Ideen", um den Widerstand kundzutun


Für Axel Mayer, den langjährigen BUND-Vorsitzenden, sind die Gedenksteine ebenfalls wichtige Zeugnisse, die an die Auseinandersetzungen von damals erinnern. "Da waren damals tausende von Leuten, die tausend Ideen hatten, ihren Widerstand kundzutun", betont er. Die einen wollten ein freies Radio gründen (Radio Dreyeckland), andere wollten den Rechtsweg beschreiten, wieder andere den Platz besetzen. Leopold Keller aus Lenzkirch im Schwarzwald habe seinen eigenen Weg gewählt und seinen Widerstand gegen Kernkraftwerke mit den Gedenksteinen kundgetan. Dies sei seine Art des Widerstands gewesen, betont Axel Mayer.

Etliche Steine sind nicht mehr auffindbar


Auf den Gedenksteinen stehen unter anderem auch die Namen all derer, die sich für das Atomkraftwerk in Wyhl und die Nutzung der Kernenergie ausgesprochen hatten. Vermutlich habe dies dazu beigetragen, so Mayer, dass etliche der Steine verschwunden und nicht mehr auffindbar sind. Leopold Keller hat seinen Widerstand auch an anderen Kernkraftwerken mit Gedenksteinen deutlich gemacht.

Symbolträchtiges Datum für den Umzug


Die Verlegung des Gedenksteins findet übrigens pünktlich zum ersten Jahrestag der kompletten Abschaltung des Atomkraftwerks in Fessenheim statt. Reaktor 1 wurde am 22. Februar 2020 abgeschaltet, Reaktor 2 am 29. Juni 2020.

Informationen zum Rückbau in Fessenheim


Am Mittwoch, 30. Juni, findet um 18.30 Uhr dann die alljährliche Mahnwache in Endingen statt. Zusammen mit dem BUND wird die Endinger Mahnwache den Rückbau des Kernkraftwerks in Fessenheim aufmerksam begleiten. Zu Gast in Endingen wird der BUND-Geschäftsführer Stefan Auchter sein, der auch Mitglied in der Rückbau-Kommission ist. Auchter wird über den derzeitigen Stand der Arbeiten und den Rückbau der Brennelemente informieren.

 

 

#AlleFür1Komma5 – globaler Klimastreik am 19. März 2021

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In Zeiten einer globaler Pandemie ist es uns an vielen Stellen nicht möglich gemeinsam auf die Straße zu gehen, trotzdem wollen wir präsent sein. Bestelle jetzt kostenlos Sprühkreide, um den Klimastreik am in Deine Straße und Deine Nachbarschaft zu bringen. 

Es ist möglich der Klimakrise entschieden entgegenzutreten, statt sich von ihr verschrecken zu lassen. Daran möchten wir am 19.03. überall erinnern. Statt Menschenmassen nutzen wir bunte Schriftzüge und Gemälde, um die Klimakrise, aber auch der solidarische Weg aus der Krise, überall zu platzieren. Wir schicken Dir Farbe, Schablonen und eine Anleitung sowie Inspiration und Tipps, um Deine Botschaft auf die Straße zu bringen – und das völlig kostenlos!

Deswegen bist Du jetzt gefragt! Wenn wir in jeder Straße in jeder Stadt sind, können am 19.03. alle sehen: Another Word Is Possible. 

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Hinweis: 

Die Sprühkreide ist nicht toxisch und Wasserlöslich

Fridays for Future entstehen Kosten von circa €7,50 Pro Paket. 


Von Gerhard Walser

Die Katastrophe von Fukushima im März 2011 hat der Anti-Akw-Bewegung kräftigen Aufwind gegeben. Drei Männer, die einst gegen das geplante Kraftwerk in Wyhl protestierten, blicken zurück.

  • Der Reaktorunfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima vor zehn Jahren hat auch den regionalen Protest gegen die Kernkraft verstärkt und ein Umdenken eingeleitet. Die Wyhl-Veteranen Günter Richter, Erhard Schulz und Axel Mayer erinnern sich daran, wie sie die Reaktorkatastrophe selbst erlebt haben und welche Konsequenzen daraus für den Atomausstieg und die Energie- und Klimapolitik gezogen wurden.
 
BZ: Wie und wo haben Sie den Unfall in Fukushima am 11. März 2011 erlebt?
Mayer: Mitten in der Endplanung der 45 Kilometer langen Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart. Der von CDU, CSU und FDP geplante Ausstieg aus dem versprochenen Atomausstieg hatte bundesweit die Umweltbewegung aktiviert. Und dann kam noch Fukushima. In einer Hochphase der Mobilisierung verstärkte der Atomunfall unsere Aktivitäten.
Der Ökumenische Gedenkgottesdienst am Ostersonntag wurde umgehend ergänzt: Fukushima/Japan – Die radioaktiven Folgen bedrohen die Schöpfung. Gedenken Sie mit uns der Opfer. Das Kreuz mit der Inschrift "Wo die Schöpfung gefährdet wird, wird Gott gekreuzigt" vom ehemals geplanten Bauplatz in Wyhl wurde in das Freiburger Münster getragen.
Richter: Wir waren in jenen Tagen zu einer einwöchigen Visite auf Zypern. Wir hatten ein kleines hübsches Zimmer in einem Hotel mit TV und gemütlicher Sofaecke. Plötzlich sahen wir nach dem Frühstück die Eilmeldung vom verheerenden Tsunami, der sich breit in die küstennahe Landschaft von Fukushima hineinzufressen schien und – wie wir später erfuhren – zehntausenden Menschen das Leben nahm und die verheerende Kernschmelze im Reaktor verursachte. Schockiert und fassungslos saßen wir in unseren Sesseln und konnten nicht glauben, was wir da sahen.

BZ: Was kam Ihnen damals spontan in den Sinn – etwa: Ist das jetzt Ende der Kernkraft?
Mayer: Ich dachte: die armen Menschen. Hoffentlich weht der Wind die Radioaktivität der ersten Tage aufs Meer und nicht in den 240 Kilometer entfernten Großraum Tokio mit seinen 38 Millionen Menschen. Dass es dann tatsächlich so kam, war das große Glück im Unglück.

Schulz: Ich kann mich deshalb noch gut erinnern, weil ich genau in dieser Zeit für die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Freiburg eine große Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Atomreaktorunfalls in Tschernobyl für Ostermontag im Freiburger Münster organisierte. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in der Region Fukushima berührte mich sehr stark, da ich häufig in Japan zu Vorträgen über die Nutzung regenerativer Energien weilte. In dem hochtechnisierten Japan, wo ich während meiner Aufenthalte auch häufig Erdbeben erlebte, empfand ich es als kaum vorstellbar, dass eine Tsunami-Welle zu einer Zerstörung eines Atomkraftwerkes und der Freisetzung von großen Mengen an Radioaktivität in die Umwelt erfolgen kann.
Schulz: Wir müssen diese leidvolle Katastrophe in Japan sowohl in den Ökumenischen Gedenkgottesdienst einbeziehen, aber auch in das Bewusstsein unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland unauslöschbar verankern, dass die lebensgefährdende Atomenergie keine Zukunftschance hat. Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurde uns in Deutschland wohl der Atomenergie-Ausstieg halbherzig in Aussicht gestellt, aber blieb in weiter Ferne. Die Fukushima-Katastrophe ereignete sich nun aber in einem hochindustrialisierten westlichen Land. Die Politik muss umgehend den Atomausstieg fixieren, denn es gibt keine Ausreden mehr.

Richter: Hinsichtlich dieser Folgen halte ich eine atomare Energiegewinnung geradezu für unverantwortlich und im Widerspruch zum biblischen Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren. Man kann unseren politischen Instanzen, unter anderem der Bundeskanzlerin, nicht genug dankbar sein, wie sie auf die Katastrophe reagierten und den Ausstieg aus der atomaren Energieerzeugung einleiteten.
 
  • Günter Richter (87) ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und lebt in Emmendingen. Er hat als Weisweiler Pfarrer den Konflikt um das geplante Atomkraftwerk Wyhl mit befriedet.
    Axel Mayer, Kreisrat der Grünen aus Endingen, wurde 1955 geboren und ist seit der Bauplatzbesetzung gegen ein Bleichemiewerk in Marckolsheim 1974 in der grenzüberschreitenden Umweltschutzbewegung aktiv.
    Erhard Schulz (76) aus Emmendingen ist Mitglied im Sprecherkreis der Badische-Elsässischen Bürgerinitiativen und hat die Platzbesetzung in Wyhl an vorderster Front erlebt. Heute engagiert er sich für die Energiewende und den Bau von Windkraftanlagen.
 
Erhard Schulz (Foto: Privat)
Günter Richter (Foto: Benedikt Sommer)
Axel Mayer (Foto: Privat)
 
BZ: Was bedeutete der Unfall in Japan für die Anti-Kernkraft-Bewegung vor Ort?
Mayer: Der Unfall bestätigte nach Tschernobyl erneut unsere alten Befürchtungen und Aussagen. Noch zur Zeit des Wyhl-Konflikts sagten die Pro-Atombroschüren des Badenwerks, dass, wenn die "Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren 20 AKW gebaut und seither betrieben hätten, es eventuell ein einziges mal zu einem solchen Unfall gekommen wäre". Es ist schrecklich, wie häufig die Umweltbewegung mit ihrer anfangs immer bekämpften und verlachten Kritik recht behalten hat.

Schulz: Mit Veranstaltungen zum tödlichen Gefährdungspotential der Atomenergie und konstruktiven Beispielen zum persönlichen Engagement in Solar- und Windenergieprojekten wurde die "Energiewende von unten" vorangetrieben. Sehr gut besuchte Informationsveranstaltungen und Fachexkursionen sorgten in der Bevölkerung für einen erfreulichen Schub bei Solardächern und Beteiligungen an Bürgerwind-Energieanlagen. Ich selbst erhielt von der Demokratischen Japanischen Ärztevereinigung zum ersten Jahrestag der Atomreaktorkatastrophe eine Einladung nach Tokio und Fukushima, sprach dort in einem Park vor 10.000 Bürgerinnen und Bürgern und hatte Gespräche mit Landwirten, deren Felder und Wälder radioaktiv kontaminiert wurden. Über diesen Erfahrungen und den in Deutschland wenig bekannten Heimatverlust vieler japanischen Familien berichtete ich in zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen.

Richter: Damit wurde verantwortliches Handeln mit der großen Chance für eine Umsetzung einer zukunftsfähigen alternativen Energiegewinnung verbunden.

BZ: Inwieweit hat Fukushima das Ende von Fessenheim beflügelt?
Mayer: Die Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima haben weltweit und regional den Protest verstärkt, ein Umdenken eingeleitet und die mächtige Atomlobby kurzfristig in die Defensive gedrängt. Neben den Alterungserscheinungen und massiven technischen Problemen in Fessenheim war der erstarkte regionale Protest, gerade auch im Elsass, ein zentraler Grund für die Abschaltung.

Schulz: Die Erdbebenkatastrophe bei Fukushima hat jetzt das gewaltige Erdbeben von Basel im Jahr 1556 voll in Erinnerung gerufen. Die gut dokumentierten historischen Berichte über die Folgen im Rheintal und das Engagement Schweizer Umweltschützer in der grenzüberschreitenden TRAS waren nun endlich das unwiederbringliche Aus für die maroden Reaktorblöcke in Fessenheim.
 
Richter: In der Gemengelage heutiger Energiediskussionen hat die atomare Energieerzeugung keine Zukunftsperspektive. Sie ist nicht nur gefährlich, sie ist auch teuer, unflexibel und zu wuchtig. Allein die Sonnen- und Windenergie decken heute schon einen Großteil des Strombedarfs. Die Lichter gehen nicht mehr aus, wenn AKW nicht gebaut oder stillgelegt werden.

BZ: Der Ausstieg aus der Kernkraft hat Konsequenzen für die Förderung alternativen Energien. Wo sehen Sie das größte Potenzial, wo gibt es Hemmnisse?
Mayer: Der große Erfolg der Umweltaktivisten am Oberrhein war nicht nur das Nein zur Atomkraft, sondern das frühe, aktive Ja zu den umweltfreundlichen Alternativen. Auch hier hat sich eine alte Hoffnung erfüllt. Strom aus Wind und Sonne ist schon lange günstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Die größten Hemmnisse sind die geschickt und verdeckt agierenden Atom- und Kohlelobbyisten, die aktiv die Energiewende, Energiespeicher und die Erneuerbaren Energien bekämpfen.

Schulz: Die Windenergienutzung kann in Deutschland mehr als 60 Prozent des Strombedarfs decken und in Baden-Württemberg wären gut 50 Prozent möglich. Die Bürger sind sehr interessiert, sich finanziell zu engagieren. Aber die Bremser sitzen auch als Beamte noch immer im Umweltministerium sowie in untergeordneten Institutionen. Mit vorgeschoben und kaum begründeten Argumenten zum Schutz von Rotmilanen, Auerhühnern oder Wespenbussarden werden Genehmigungsverfahren für Neuanlagen und Repoweringmaßnahmen in die Länge gezogen. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2020 leider nur zwölf neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen. Für den Klimaschutz ist dies ein schreckliches Fiasko. Die Landesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 100 Windenergieanlagen zu errichten.

Richter: Wichtig ist heute, wie wir auf dieser Erde das Leben lebensfähig halten. Gibt es Chancen einer verträglichen Temperatursteuerung, schaffen wir den Weg hin zu einer ausgewogenen Klimagerechtigkeit, können wir noch retten, was zu retten ist? Hier sind unsere Gedanken und Kräfte dringend gefordert. Und ganz klar: Das dürfen wir nicht der jungen Generation allein überlassen, die uns mit Recht mit ihren Fridays-for-Future-Protesten dafür auf die Anklagebank bringt.
 
BZ: Braucht es zehn Jahre nach Fukushima weiterhin Protestaktionen?
Mayer: In der Menschheitsgeschichte hat sich Vernunft nicht immer dauerhaft durchgesetzt. Fessenheim bleibt auf Jahre eine Gefahr. Und im 69 Kilometer von Emmendingen entfernten Schweizer Beznau strahlt das älteste AKW der Welt. Lobbygruppen arbeiten aktiv an der Gefahrzeitverlängerung der letzten AKW in Deutschland und Atomkraft wird mit vorgeschobenen Argumenten wieder einmal grüngewaschen. Fukushima hat gezeigt, wie gefährlich Atomkraftwerke sind. Die weltweite Verbreitung von Atomwaffen durch den Bau von AKW ist noch gefährlicher und ein globales Selbstmordprogramm. Der Kampf um Nachhaltigkeit, Frieden, Klima- und Artenschutz steht erst am Anfang. Der Atomprotest war und ist auch in Zukunft ein Teil dieser Kämpfe.

Schulz: Ja, Proteste sind weiterhin dringend notwendig, damit der trägen politischen Entscheidungsfindung Beine gemacht werden. Auch sprechen schon wieder einige Ewiggestrige von einer möglichen Renaissance der Atomenergie.

Richter: Die leidenschaftlichen Proteste gegen den weiteren Betrieb von Fessenheim verlieren ihren Sinn und ihre Notwendigkeit. Die alten Fragen hinsichtlich der Energieerzeugung der Wyhl-Zeit sind passé. Dennoch hat sich aller Einsatz gelohnt. Nun weiter so zu den neuen Fragen des Lebens, besser des Überlebens.

Von: Micha
 

Laut einer aktuellen Umfrage befürwortet die Mehrheit der Überlebenden des Reaktorunfalls in Fukushima vor 10 Jahren Japans Ausstieg aus der Atomenergie.

Etwa 30 Prozent der für die Umfrage befragten Personen befürworten einen sofortigen Ausstieg, 52 Prozent einen schrittweisen Ausstieg.

Nur geringer Prozentsatz der Überlebenden hält Atomkraft für wichtig

Die Umfrage, die im November in den drei von der Katastrophe am stärksten betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima durchgeführt wurde, ergab, dass nur 15 Prozent für den Betrieb von Atomreaktoren in Japan sind.

Aufgeschlüsselt nach Präfekturen sprachen sich 40 Prozent der Befragten in Fukushima für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie aus, mehr als 27 Prozent in Iwate und 24 Prozent in Miyagi.

Nach dem Erdbeben der Stärke 9.0 kam es infolgedessen am 11. März 2011 zu einem Tsunami, der eine Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi auslöste. Der schlimmste Atomunfall seit Tschernobyl 1986.

Einige Atomreaktoren wieder in Betrieb

Die Arbeiten am Kraftwerk erweisen sich weiterhin als schwierig und für einige Gebiete rund um das Kraftwerk gelten immer noch Evakuierungsanordnungen. Alle Atomreaktoren in Japan wurden nach der Atomkrise gestoppt, mittlerweile haben einige in den letzten Jahren den Betrieb unter strengeren Sicherheitsvorschriften wieder aufgenommen.

Die japanische Regierung strebt an, dass erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 bis zu 50-60 Prozent der gesamten Elektrizität ausmachen, während sie sich auf 30-40 Prozent aus Wärmekraft und Kernenergie stützt.

Von Thorsten Knuf

Zehn Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wollen Bundesregierung und Stromkonzerne die Altlasten des Atomausstiegs beseitigen. Ein guter Zeitpunkt, um nach vorne zu blicken.

Kommende Woche jährt sich zum zehnten Mal die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Die Vorgänge in Japan ebneten ehedem den Weg für den Atomausstieg in Deutschland. Jetzt machen sich Bundesregierung und Stromkonzerne daran, eine der letzten politischen Altlasten dieser Beschlüsse zu beseitigen. Der Staat zahlt den Kraftwerksbetreibern EnBW, Eon, RWE und Vattenfall insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Im Gegenzug ziehen die Unternehmen sämtliche Klagen gegen den Staat zurück. Es mag Zufall sein, dass die Einigung kurz vor dem Fukushima-Jahrestag zustande kommt. Unabhängig davon ist das für alle Beteiligten ein guter Zeitpunkt, um Rechtsfrieden herzustellen und nach vorn zu blicken. Der Staat hat das Gefühl, bei dem Deal recht günstig wegzukommen. Den Betrag, den er den Unternehmen überweist, ist viel geringer als die Summen, die in Rechtsstreitigkeiten zur Debatte stehen. Und die Unternehmen haben Besseres zu tun, als die Kämpfe der Vergangenheit fortzusetzen. Die letzten Meiler sollen bis Ende 2022 vom Netz gehen. Danach beginnt die lange Phase des Rückbaus.

Alle deutschen Stromkonzerne haben sich der Energiewende verschrieben. Wer beim Kunden mit grünem Strom punkten will, sollte nicht über Jahre hinweg um Atom-Milliarden feilschen.

Es gibt dennoch immer noch Leute, die von einer Renaissance der Atomkraft träumen. Das ist eine Illusion. Ein heimisches Unternehmen, das bereit wäre, erneut in diese teure, risikoreiche Technologie zu investieren, ist nicht in Sicht.

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vonJulia Cuprakowa
 

Das Kernkraftwerk in Neckarwestheim II soll bis Ende 2022 in Betrieb bleiben und das trotz schadhaften Rohren. Nun fordert ein Gutachter die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerkes bei Heilbronn.

Am 11. März jährt sich zum zehnten Mal die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Vor zehn Jahren kam es nach einem Erdbeben und dem anschließenden Tsunami im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zur Kernschmelze. Die Bundesregierung beschloss daraufhin, alle deutschen Kernkraftwerke bis 2022 stillzulegen. Die Kernkraftwerke Neckarwestheim I (Landkreis Heilbronn) sowie Philippsburg I und II wurden bereits abgeschaltet. Der zweite Block in Neckarwestheim darf bis Ende 2022 noch Strom liefern und das, obwohl man bei einer Überprüfung Schäden an den Rohren festgestellt hat. Dabei handelte es sich um Korrosionsschäden an Rohren von zwei Dampferzeugern des Kernkraftwerks Neckarwestheim II.

An sieben weiteren Rohren wurden Risse festgestellt, wie das Umweltministerium in Stuttgart damals mitteilte. Sie wurden verschlossen und außer Betrieb genommen. Außerdem gab es noch 19 nicht registrierpflichtige kleinere Löcher an Rohren aller vier Dampferzeuger. Im Vergleich zu den Vorjahren gab es weniger Beanstandungen. Auch die Tiefe und Länge der Korrosionsschäden sei deutlich geringer als in den Vorjahren. 2018 gab es 191 beanstandete Rohre, 2019 waren es 101 Rohre, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Und genau diese Schäden machen einem Gutachter jetzt große Sorgen. Doch gibt es einen aktuellen Anlass zu Sorge? Wie echo24.de bereits berichtete, gab es im Februar dieses Jahres einen Vorfall, bei dem radioaktives Wasser aus einem Rohr des Kernkraftwerks in Neckarwestheim ausgetreten ist.

Atomkraftwerk Neckarwestheim II: Gutachter mit Schock-Prognose - Sicherheit nicht garantiert

Der ehemalige Leiter der Abteilung „Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen“ im Bundesumweltministerium, Dieter Majer, verfasste zuletzt ein Gutachten über das Atomkraftwerk Neckarwestheim II. Darin warnt Majer eindringlich vor Schäden an den Rohren, die radioaktives und unter extrem hohen Druck stehendes Wasser führen. Laut SWR seien diese Schäden bereits im Jahr 2018 als „interkristalline Spannungsrisskorrosion“ eingeschätzt worden.

Und gerade für diese sogenannte Spannungskorrosion sei es charakteristisch, nicht vorhersagen zu können, wann ein Rohr tatsächlich zu brechen droht. Wie der SWR weiter berichtet, kam das Umweltministerium nach einer Prüfung jedoch kürzlich zu einem anderen Ergebnis. Konkret heißt das: Es gäbe im Atomkraftwerk Neckarwestheim II keine Sicherheitsbedenken. Denn falls diese Rohre wirklich kaputtgehen sollten, dann gebe es zuerst ein kleines Leck, aus dem radioaktives Wasser austreten würde. Dies würden Sensoren erkennen und das Kraftwerk könne kontrolliert abgeschaltet werden.

Das sieht der pensionierte Kraftwerksexperte Majer ganz anders. Das Umweltministerium beziehe sich auf Gutachten, die nicht nachweisen könnten, dass die „Voraussetzung der Kerntechnischen Regeln“ gegeben sind. Im Klartext: Alle herangezogenen Gutachten können keine Sicherheit garantieren. Es sei nicht erweisen, dass die beschädigten Rohre zunächst zu lecken anfangen, bevor es zu einem plötzlichen Bruch kommt. Was würde aber passieren, wenn so ein Rohr mit radioaktivem Wasser tatsächlich brechen würde?

Atomkraftwerk Neckarwestheim II: Rohrbruch könnte schwerwiegende Folgen haben

Sollte es zu einem Rohrbruch kommen, würde eine größere Menge Radioaktivität in die Umwelt gelangen. „Wenn wir einen totalen Rohrabriss haben, dann haben wir einen massiven Übertritt vom Primärkreis, der hoch radioaktiv ist zum Sekundärkreis, der nicht radioaktiv sein darf, weil von dort nach außen Öffnungen bestehen“, erklärt Dieter Majer und fordert gleichzeitig die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerks Neckarwestheim II.

von Axel Mayer

Fukushima: 10 Jahre nach dem Atomunfall - Was haben wir daraus gelernt?


Vor 10 Jahren, am 11. März 2011 begann mit dem Tōhoku-Erdbeben die Atomkatastrophe von Fukushima. In vier der sechs Reaktorblöcke gab es extrem schwere Unfallabläufe, teilweise mit Kernschmelzen und ein massives Entweichen von Radioaktivität. Es war einer dieser typischen schweren Atomunfälle, ein Katastrophenablauf, mit dem die Betreiber im Vorfeld nicht gerechnet hatten. Glück im Unglück war ein gnädiger Wind, der in den Anfangstagen die extreme Radioaktivität aufs Meer hinaustrug und nicht in die nahe Metropolregion Tokio mit ihren 37 Millionen Menschen.
Wenige Monate nach den Kernschmelzen in den Atomanlagen von Fukushima Daiichi trafen der Betreiber Tepco, und die japanische Regierung die Vereinbarung den geschmolzenen Kernbrennstoff binnen eines Jahrzehnts aus den zerstörten Meilern zu bergen, doch wie so viele Versprechungen des japanischen atomaren Dorfes ist dies nicht geschehen. Erfolgreich war allerdings die Nach-Unfall-Propaganda, die heute Krisenkommunikation genannt wird.

Die Atomunfälle von Fukushima und Tschernobyl kamen viele Millionen Jahre zu früh. In einer bundesweit verteilten Broschüre der deutschen Atomkonzerne stand sinngemäß: "Wenn die Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren 20 Kernkraftwerke gebaut und seither betrieben hätten, dann hätte man einen solchen Unfall mit Kernschmelze und Freisetzung von Radioaktivität vielleicht einmal registrieren können".(*) Die alten falschen Versprechungen von der hundert Prozent sicheren Atomkraft aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts werden auch 2021 wieder gemacht...

Die internationale Atomlobby war nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie ihr profitables Geschäft nicht. Das globale atomare Dorf, die alten mächtigen Seilschaften und reichen rechts-libertären Netzwerke aus Konzernen & Lobbyisten funktionieren immer noch. Gemeinsam mit der Kohlelobby lassen sie die zukunftsfähigen Energien und die Energiewende bekämpfen, denn Strom aus Wind und Sonne ist schon lange kostengünstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken.

In Frankreich wird gerade die Gefahrzeit für alte Atomkraftwerke auf 50 Jahre verlängert. In Deutschland kämpfen einflussreiche Lobbygruppen gegen die Abschaltung der letzten AKW und auch neue, wieder einmal 100% sichere Atomkraftwerke werden geschickt ins Gespräch gebracht.

Nur die Vor-Fukushima Durchsetzungsstrategien wurden geändert. Mit den makaber-erfolgreichen Strategien, mit denen die Gefahren des Rauchens und von Asbest heruntergespielt wurden, werden jetzt die Folgen des Reaktorunfalls verharmlost. Manipulativ genial war die Bestätigung des EINEN an Krebs gestorbenen Menschen durch die japanische Regierung, der seither durch die Weltpresse geistert. Es sind nicht so sehr die Betreiber-Konzerne der alten AKW, noch die neuen Atom-Start-Ups mit ihren unreifen Reaktor-Konzepten, die Laufzeitverlängerung und neue AKW fordern, sondern scheinbar unabhängige Bürgerinitiativen und Tarnorganisationen wie die Nuclear Pride Coalition. Die alte Gefahrtechnologie Atomkraft soll nach dem Willen der Strategen im Hintergrund mit dem Klimaschutz-Argument grüngewaschen werden. So wie die Verantwortlichen des bisher letzten Weltkrieges auf Wunderwaffen setzten, so setzen die Verantwortlichen im aktuellen, erneut verloren gehenden Krieg gegen Klima und Natur auf die Wunderwaffe Atomkraft.

Doch die Energy Watch Group hat vorgerechnet: "Um mit Atomenergie nur 10% der heutigen globalen CO2-Emissionen bis 2050 zu senken, müssten bis dahin 2184 neue Atomkraftwerke je 1 GW, neu gebaut werden, also jeden Monat etwa 8 gefährliche, teure, neue Atomkraftwerke ans Netz gehen."
Diese 2184 neuen AKW bräuchten Uran, sie würden die Zahl der schweren Atomunfälle vervielfachen und Atommüll produzieren, der eine Million Jahre strahlt und 33.000 Generationen gefährden. Der weltweite Neubau von 2184 AKW brächte immer mehr Länder in den mörderischen Besitz von Atomkraftwaffen und sie wären im Gegensatz zu Energie aus Wind und Sonne unbezahlbar teuer. Warum setzen machthungrige Länder auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie, wenn es kostengünstige, umweltfreundliche Alternativen gibt?

Wenn jetzt nach Fukushima "sonnenarme" Länder wie Saudi-Arabien, Jordanien, Türkei, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate teure AKW bauen wollen, dann geht es nicht in erster Linie um Energie oder Klimaschutz, denn Strom aus Wind und Sonne ist schon lange günstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Es geht um Proliferation, um zukünftige "Atomkraftwaffen" und Macht.

Jedes neue Land, das über Atomkraftwaffen verfügt, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges und des damit verbundenen atomaren Winters. So könnte die Atomkraft tatsächlich einen makabren Beitrag gegen den Klimawandel und zur globalen "Abkühlung" leisten. Der Neubau von AKW und der weltweite AKW-Export (nicht nur in Spannungsgebiete) sind ein globales Selbstmordprogramm.

Was haben wir aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima gelernt? Mit den Unfällen von Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima wurden wieder einmal die realen Gefahren dieser nicht menschengerechten Technologie aufgezeigt und der weltweite Ausstieg aus der gefährlichen und teuren Atomkraft eingeleitet. Und andererseits sind die alten atomaren Seilschaften mit geschickten neuen Durchsetzungsstrategien und atomarem Greenwash immer noch aktiv, um AKW-Gefahrzeitverlängerung und neue Atomanlagen durchzusetzen.

Der Kampf gegen Apokalypse-Blindheit und globale Zerstörungsprozesse, der große Streit für eine umweltfreundliche Technik und eine menschengerechte Zukunft steht auch 10 Jahre nach Fukushima noch ganz am Anfang.

red/epd,  01.03.2021

Zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima wollen Atomkraftgegner am Sonntag auch am Kraftwerk Neckarwestheim demonstrieren. Deutschlandweit soll es Aktionen geben.

Heilbronn - Zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima erinnern Atomkraftgegner auch in Baden-Württemberg mit vielfältigen Aktivitäten an die Gefahren der Atomenergie-Nutzung. Neben größeren Demonstrationen am Samstag in Berlin und am Sonntag am Atomkraftwerk Neckarwestheim in Heilbronn gibt es in den kommenden Tagen in rund 20 deutschen Städten Mahnwachen, wie die Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ am Montag mitteilte.

Wegen der Corona-Pandemie finden alle Kundgebungen unter besonderen Hygiene-Bedingungen statt. Zahlreiche örtliche Bürgerinitiativen verzichten ganz auf Versammlungen und beteiligen sich stattdessen an einer Großplakat-Aktion, die von „Ausgestrahlt“ und dem Umweltinstitut München organisiert wird. In 53 Städten hängen den Angaben zufolge riesige Plakatwände mit der Botschaft „Nie wieder! 10 Jahre Fukushima: Alle Atomkraftwerke abschalten!“

Seebeben führte zur Katastrophe in Japan

Zwar seien 2011 als direkte Folge der Fukushima-Katastrophe und der Massenproteste in Deutschland acht Reaktoren abgeschaltet worden, sagte „Ausgestrahlt“-Sprecher Jochen Stay. Doch sechs AKW seien auch zehn Jahre danach noch am Netz. Die Risiken in den alten Anlagen würden mit jedem Tag größer. Zudem werde weiter Atommüll produziert, von dem niemand wisse, wie er über Jahrtausende sicher gelagert werden kann. Deshalb müssten die Atomkraftwerke jetzt abgeschaltet werden und nicht erst Ende 2022.

Die Katastrophe in Japan begann am 11. März 2011 mit einem Seebeben und einem Tsunami. In drei Blöcken des AKW Fukushima Daiichi kam es zur Kernschmelze und somit zum Super-Gau, Explosionen in den Blöcken 1 bis 4 zerstörten unter anderem die Gebäudehüllen. Über Wochen zogen radioaktive Wolken von Fukushima über Japan und den Pazifik.

Bis zu 150.000 Einwohner mussten das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen, Hunderttausende in landwirtschaftlichen Betrieben zurückgelassene Tiere verhungerten. Rund um das Kraftwerk gibt es bis heute eine 300 Quadratkilometer große Sperrzone.