Atomenergie

Von Andreas Wilkens

Auch für den dritten und letzten Block des bayerischen AKW liegt nun eine Rückbaugenehmigung vor.

Betreiber RWE hat den Plan für den Rückbau für Block C seines Atomkraftwerks in Gundremmingen genehmigt bekommen. Das Bundesumweltministerium hat dem Bescheid des bayerischen Umweltministeriums zugestimmt. Die Genehmigung soll am morgigen 28. Mai offiziell bekannt gemacht und anschließend für die Öffentlichkeit zur Einsicht ausgelegt werden.

In den vergangenen vier Jahren wurden in Bayern bereits die Stilllegung und der Abbau der AKW Isar 1 und Grafenrheinfeld genehmigt. Auch für Block B in Gundremmingen lag bereits eine Genehmigung vor, er wurde bereits Ende 2017 abgeschaltet, Block C soll bis spätestens Ende dieses Jahres folgen. Block A wurde bis zu einem Störfall 1977 betrieben, er wird seit 1983 rückgebaut.

 

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) betonte, nun sei ein weiterer bedeutender Schritt im Ausstieg aus der Atomkraft vollzogen. "Ich stehe hinter dem Ausstieg aus Kohle und Kernenergie. An den gesetzlichen Abschaltzeitpunkten wird nicht gerüttelt." Der Standort in Gundremmingen soll wieder eine frei nutzbare Fläche werden. Er soll unter den gleichen strengen Sicherheitsvorgaben rückgebaut werden, wie er betrieben worden sei.

RWE hatte auf Grundlage des Atomgesetzes am 31. Juli 2019 die Genehmigung für den Abbau des Blocks C beantragt. Der Abbau ist gemäß dem Verursacherprinzip Aufgabe der Betreiber und muss behördlich beaufsichtigt werden. Der Rückbau der Systeme und Komponenten eines Atomkraftwerks erstreckt sich über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Anschließend werden die verbliebenen Gebäudestrukturen dekontaminiert, freigemessen und einer anderweitigen Nutzung zugeführt oder abgerissen. Der Rückbau kostet etwa eine Milliarde Euro und wird vom Betreiber bezahlt.

Der Rückbau eines AKW dauert so lange, weil es eine sehr komplexe Anlage mit vielen Komponenten und Systemen ist. Alle Systeme und Komponenten werden nach einem genauen Plan der Reihe nach abgebaut und zerlegt, denn einige von ihnen werden länger benötigt als andere. Zudem müssen die Komponenten auf Radioaktivität untersucht und möglicherweise gereinigt werden. Diese Teile können dann nach einer staatlich kontrollierten Freimessung in den regulären Wertstoffkreislauf gegeben werden. Die Teile, die nicht gereinigt werden können, sowie die abgereinigte Radioaktivität werden für das Endlager Schacht Konrad bearbeitet und verpackt.

 

Zwei Wochen lang haben Experten Brennelemente ausgetauscht und die Sicherheitssysteme gecheckt

Nach einem umfangreichen Check geht das grenznahe schweizerische Atomkraftwerk Beznau am Mittwoch (26.05.2021) wieder vollständig zurück ans Netz. Zwei Wochen lang haben Spezialisten zuvor einen Teil der Brennelemente ausgetauscht und anschließend alle Systeme überprüft.

Zwanzig der insgesamt 121 Brennelemente im Reaktorkern mussten während der Wartungsarbeiten erneuert werden. Nach Pfingsten konnten die Betreiber den Reaktor dann wieder schrittweise hochfahren.

Spätestens am Donnerstag soll das Kraftwerk dann nach Angaben des Energiekonzerns Axpo wieder seine volle Auslastung erreichen. Während des Übergangs können immer wieder mal Wasserdampfwolken über dem Gelände aufsteigen, diese seien aber normal und stellen keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar, heißt es.

Erstes AKW der Schweiz und ältester noch aktiver Druckwasserreaktor der Welt

Das Kernkraftwerk Beznau ist mit seinen 52 Jahren der älteste Druckwasserreaktor weltweit, der noch bis heute in Betrieb ist. Der Druckwasserreaktor aus Block 1 hat eine Nettoleistung von rund 365 Megawatt und erzeugt damit im Jahr etwa 3.000 Gigawattstunden Strom. Das entspricht in etwa dem Bedarf von bis zu 600.000 Haushalten. Der Reaktorblock 2 versorgt noch einmal so viele Menschen mit Elektrizität.

Bei Atomkraftgegnern war der Meiler in Beznau zuletzt immer wieder wegen mutmaßlicher Probleme mit der Notstromversorgung und möglicher Altersermüdungserscheinungen in die Kritik geraten. Das Kraftwerk steht auf der anderen Seite des Rheins nur wenige Kilometer Luftlinie vom südbadischen Kreis Waldshut entfernt.

(fw)

Dienstag, 27 April 2021 13:04

Streit mit Frankreich über Atomkraft

EU-Gelder für Nachhaltigkeit

Während in Tschernobyl der Atomkatastrophe von 1986 gedacht wird, streitet die EU weiter über Kernkraft. Paris hält sie für unverzichtbar und nachhaltig, was EU-Fördermittel bedeuten würde. Die Bundesregierung widerspricht.

Für die geplante Klimaneutralität der EU hält Frankreich die Atomenergie für unverzichtbar - und erntet dafür Widerspruch aus Berlin. So erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Eine Energieform, die nachfolgenden Generationen dauerhaft immens hohe Kosten und Gefahren aufbürdet, kann nicht nachhaltig sein."

Sie reagierte damit auf Äußerungen von Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Dieser hatte der Funke Mediengruppe gesagt, dass Europa die CO2-Neutralität bis 2050 "nicht ohne die Kernkraft erreichen werde". Alle europäischen Partner müssten verstehen, dass die Atomkraft zu den wesentlichen Grundlagen der Wettbewerbsfähigkeit und der Souveränität Frankreichs, aber auch der europäischen Energie-Souveränität gehöre. "Wir sind auf gutem Weg zu gewährleisten, dass die Nuklearenergie als CO2-freie Energie anerkannt wird, die zur grünen Finanzierung in Europa berechtigt ist", sagte Le Maire, räumte aber ein, der Streit sei "intensiv".

Von Christian Geinitz und Niklas Záboji

Europas erstes Mini-Atomkraftwerk soll in Estland stehen. Die Pläne sind erst wenige Wochen alt und haben die Fachwelt aufhorchen lassen. Geplant ist ein „Small Modular Reactor“ (SMR) mit deutlich geringerer Leistung als gewöhnliche Reaktoren. Er soll in 10 bis 15 Jahren ans Netz gehen.

Die estnische Regierung steht hinter dem Vorhaben, geht es doch auch darum, in Zukunft unabhängig zu sein von russischem Öl und Gas – und sich nicht vollständig auf die schwankende Verfügbarkeit von Wind und Sonne zu verlassen. Die passende Studie für die Lagerung des Atommülls hat die Projektgesellschaft Fermi Energia schon anfertigen lassen.

Auch in anderen Ländern reifen die Pläne für modulare Mini-Reaktoren. Die Internationale Atomenergie-Agentur berichtet von einem wachsenden Interesse und zählt 50 Projekte. SMR könnten die Atomkraft revolutionieren, glauben ihre Befürworter.

Die Idee sei zwar alles andere als neu, hieß es im letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats, doch böten jüngste Projekte dank der geringeren Leistungsdichte, Wärmeleistung und Wärmeabfuhr der Mini-Reaktoren „das Potential für eine verbesserte Sicherheit“. Zudem ermögliche die modulare Bauweise Einsparungen bei der Fertigung und spätere Erweiterungen. Maximal 0,3 Gigawatt Leistung haben SMR qua Definition.

Zum Vergleich: Klassische Kraftwerke wie Leichtwasserreaktoren kommen auf 1 Gigawatt und mehr.

Praktisch CO2-frei und rund um die Uhr verfügbar

Blickt man auf die Weltkarte, haben aber selbst diese nicht ausgedient. Galt die Kernenergie in den neunziger und nuller Jahren als Auslaufmodell, ist seit einigen Jahren ein wachsendes politisches Interesse zu verzeichnen. Schon ist von einer „Atomrenaissance“ die Rede. Das liegt vor allem an dem verstärkten Bemühen um schnellen Klimaschutz. „Die wachsende Nachfrage nach Strom, Energiediversifikation und Klimaschutz motiviert den Bau neuer Kernreaktoren“, schreibt der Weltklimarat.

Zwar gebe es nach wie vor Risiken im Betrieb, beim Uranabbau und in der Endlagerung sowie Bedenken in der Bevölkerung und hinsichtlich der Verbreitung von Kernwaffen. Doch seien neue Brennstoffkreisläufe und Reaktortechnologien, die einige dieser Probleme angehen, in der Entwicklung und Fortschritte in Bezug auf Sicherheit und Abfallentsorgung erzielt worden.

Bild: F.A.Z.

Da praktisch CO2-frei und rund um die Uhr verfügbar, betrachten viele Länder Atomkraftwerke als teure, aber wichtige Ergänzung zum Ausbau der Erneuerbaren – vorneweg die Vereinigten Staaten, wo nach Zahlen der Atomenergie-Agentur mit Abstand die meisten Kraftwerke stehen. Mit insgesamt 97 Gigawatt Leistung könnten sie Deutschland theoretisch rund um die Uhr mit Strom versorgen.

Werden alle laufenden Vorhaben wie geplant umgesetzt, wird sich die installierte Leistung aller Atomkraftwerke auf der Welt bis zum Jahr 2030 um mehr als 10 Prozent erhöhen. Vor allem China verzeichnet eine rege Bauaktivität. Aber auch in Europa wird gebaut. Trotz Verzögerungen und Kostensteigerungen halten die Briten an der Erweiterung von Hinkley Point fest. In Frankreich schreitet der Bau des Druckwasserreaktors in Flamanville voran, auch wenn es seit Jahren Streit darum gibt. Die Kernkraft wird dort bis auf weiteres als unverzichtbar eingestuft. Mit 40 Prozent ist sie im französischen Energiemix eine wichtigere Quelle als Öl.

In der Türkei wurde am Mittwoch der Grundstein für den Bau des dritten von vier geplante Blöcken des Atomkraftwerks Akkuyu im Südosten des Landes gelegt. Der erste Reaktor der von Russland gelieferten Anlage soll im Jahr 2023 in Betrieb gehen. Die Zeremonie wurde von den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, und der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, per Video begleitet.

Magere Bilanz des deutschen Atomausstiegs

In Deutschland ist das Bild ein völlig anderes. Seit dem Unfall von Fukushima vor zehn Jahren und der Rücknahme der Laufzeitverlängerung haben die deutschen Energieversorger elf Kernkraftwerke abgeschaltet. Bis Ende nächsten Jahres werden die restlichen sechs vom Netz genommen. Somit hat sich seit dem Jahr 2011 der Anteil des Atomenergie am Strommix auf 11 Prozent halbiert.

Gestiegen ist im Gegenzug der Anteil der Erneuerbaren von 17 auf 45 Prozent. Da diese in Deutschland aber nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen, ist Erdgas im deutschen Strommix ebenfalls wichtiger geworden. Auch Kohleverstromer haben profitiert. Selbst die Agora Energiewende als zutiefst ökostromfreundliche Einrichtung gesteht zu: „Wären die Atomkraftwerke 2011 am Netz geblieben und gleichzeitig die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut worden, wären die Kohleverstromung und damit die CO2-Emissionen früher gesunken.“

Aus Sicht deutscher Verbraucher ist die Bilanz ebenfalls mager. Die Preise für Beschaffung, Marge und Vertrieb von Strom sind seit dem Jahr 2011 zwar gesunken. Doch Netzentgelte, Steuern und Abgaben haben die Endkundenpreise enorm in die Höhe getrieben – vor allem die Umlage gemäß dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zur Finanzierung des Ökostroms. Sie ist in den vergangenen zehn Jahren nominal um 86 Prozent nach oben geschnellt. Für Haushaltskunden beträgt das Plus im Strompreis seit dem Jahr 2011 nominal 21 Prozent. Indirekt kann auch das als eine Folge des Atomausstiegs gelten.

Künftig Atom- und Kohleausstieg zu kompensieren wird nur mit einem massiven Ausbau der Erneuerbaren gelingen. Doch gibt es dagegen große Widerstände. Neue Windkraftanlagen an Land scheitern an Protesten von Anwohnern und Umweltschützern. Ähnliches gilt für den Bau der Stromtrassen. Zugleich stecken Speicherverfahren noch in den Kinderschuhen.

Doch eine Renaissance der Kernkraft erscheint in Deutschland politisch nicht durchsetzbar. Die Vorbehalte in der Bevölkerung gelten als unüberwindbar. Als die konservative Werteunion in der CDU vor zwei Jahren noch einmal eine Laufzeitverlängerung forderte, ließ die Kritik aus den eigenen Reihen nicht lange auf sich warten.

25.02.2021, 09:01 Uhr | AFP

Die ältesten Atomkraftwerke in Frankreich dürfen weiter laufen. Die französische Atomaufsicht erlaubt das nun – wenn bestimmte Auflagen erfüllt werden.

Die Laufzeit der ältesten französischen Atomreaktoren kann unter Auflagen von 40 auf 50 Jahre verlängert werden. Das geht aus einer Stellungnahme der französischen Atomaufsicht ASN hervor, die am Donnerstag in Paris veröffentlicht wurde. Zur Bedingung machte die Behörde eine Reihe von Reparaturen an den 32 ältesten Atomreaktoren. So sollen Nuklearunfälle verhindert werden.

Von diesen Altreaktoren haben nach Angaben von Greenpeace bereits 13 das Höchstalter von 40 Jahren überschritten. Diese Altersgrenze hatte die mehrheitlich staatliche Betreibergesellschaft Électricité de France (EDF) ursprünglich vorgesehen. Die französische Regierung hatte den Weg für die Laufzeitverlängerung im April 2020 freigemacht. Frankreich bezieht rund 70 Prozent seines Stroms aus der Atomkraft, das ist der höchste Anteil weltweit.

Kraftwerke zum Teil seit den 70er-Jahren in Betrieb
Die Verlängerung betrifft unter anderen das Atomkraftwerk Bugey östlich von Lyon, das seit Ende der 70er-Jahre in Betrieb ist. Betroffen sind auch die Reaktoren in Dampierre südlich von Paris und Tricastin nördlich von Avignon, die seit Anfang der 80er-Jahre Strom produzieren.

Frankreich hatte sein ältestes Atomkraftwerk in Fessenheim am Oberrhein unweit von Freiburg im Breisgau im Juni des vergangenen Jahres endgültig abgeschaltet. Deutschland und die Schweiz hatten wegen zahlreicher Pannen jahrelang darauf gedrungen.