Mittwoch, 03 Februar 2021 04:09

Nach 43 Betriebsjahren endet die Ära des Atomkraftwerks in Fessenheim

geschrieben von Franz Schmider
Artikel bewerten
(1 Stimme)
Abenddämmerung über dem Atomkraftwerk Fessenheim. Foto: Hans-Peter Ziesmer Abenddämmerung über dem Atomkraftwerk Fessenheim. Foto: Hans-Peter Ziesmer Hans-Peter Ziesmer

 Von Franz Schmider

Ende, aus: Nachdem am 22. Februar Block 1 des Akw in Fessenheim abgeschaltet wurde, folgt nun in der Nacht auf Dienstag Block 2. Die Tage vor dem Ende fügen sich ein in die bewegte Geschichte.

Die Tage vor dem Ende fügen sich ein in die bewegte Geschichte des Kraftwerks: Am Freitag führte ein Blitzeinschlag zu einer Notabschaltung, der Betreiber fuhr die Anlage am Samstag wieder hoch, um sie am Montagabend planmäßig runterzufahren.

Die beiden Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von jeweils 880 Megawatt waren 1977 in Betrieb gegangen, zu diesem Zeitpunkt war noch der Bau zweier weiterer Blöcke geplant. Frankreich deckt 70 Prozent seines Strombedarfs aus Atomkraft, vorerst bleiben 56 Reaktoren in Betrieb. Bis 2035 sollen zwölf weitere Reaktoren stillgelegt werden und der Anteil an Atomstrom auf 50 Prozent sinken.

Ursprünglich waren 6 Akw geplant – gebaut wurden 3


Planspiele sahen für den Oberrhein einst eine Ballung von Atomkraftwerken vor. Denn neben Fessenheim waren Atommeiler in Gerstheim (Elsass), Schwörstadt, Wyhl und Philippsburg (Baden) sowie Kaiseraugst und Leibstadt vorgesehen. Realisiert wurden Philippsburg, Fessenheim und Leibstadt, alle drei Nachbarn begaben sich also auf den Weg ins Atomzeitalter.

In Bezug auf die Stromerzeugung endet diese Ära am Oberrhein mit dem heutigen Dienstag, am Hochrhein bleibt Leibstadt in Betrieb, drei weitere Meiler stehen an der Aare. Aber das Atomzeitalter wird noch Zehntausende Jahre in die Zukunft verlängert. Nahe der Grenze plant die Schweiz den Bau eines Endlagers für Atommüll.

Dass ohne den Bau des Atomkraftwerks in Wyhl in Deutschland und besonders in Baden-Württemberg die Lichter ausgehen würden, dieses Szenario trat nicht ein. Verschont wurden die Menschen bislang auch von dem befürchteten Unfall. Dabei ist die 43-jährige Betriebsgeschichte von Fessenheim reich an Zwischenfällen.

Der wohl schwerwiegendste ereignete sich am 9. April 2014, als Kühlwasser unkontrolliert in tieferliegende Räume floss, in denen auch Schaltschränke der Sicherheitselektronik standen. Zeitweise drohte der Mannschaft des Akw die Kontrolle zu entgleiten, weil die Steuerstäbe, mit deren Hilfe sich eine Kettenreaktion kontrollieren und auch stoppen lässt, nicht mehr korrekt eingefahren werden konnten. Dass die Kraftwerksbetreiberin den Zwischenfall als Bagatelle einstufte, nährte Zweifel an der Zuverlässigkeit und Offenheit des Unternehmens.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 hatte der spätere Präsident François Hollande die Abschaltung des Reaktors angekündigt, diese aber nicht vollzogen. Das hat Präsident Emmanuel Macron nun nachgeholt.

Weitere Informationen

  • Verfasser: Franz Schmider
  • NewsTitel: Nach 43 Betriebsjahren ...
Gelesen 66 mal Letzte Änderung am Freitag, 19 Februar 2021 14:50